172. Zusammenkunft am 06. Oktober 2011
in der Bayerischen Staatsbibliothek zu München


 

1. Tischrede - Senator E.h. Prof. Dr. h.c. mult. Klaus G. Saur

Meine Herren,

der Jäh-Hunger ist gestillt, es kommt zur 1. Tischrede!

Was verbindet München und Bremen? Blicken wir zurück: Heinrich der Löwe, in München gefeierter Stadtgründer, in Bremen etwas umstrittener, denn bevor er München gründete – 1558 - ließ Heinrich der Löwe brave friesische Handelsleute auf dem Marktplatz in Bremen verprügeln. Und es hat noch nie zur Popularität beigetragen, wenn in Bremen Kaufleute schlecht behandelt worden sind. Aber, Heinrich der Löwe konzentrierte sich dann auf München und um keine Salzsteuer zu bezahlen, gründete er die bedeutendste Metropole, die es heute gibt.

Es gibt eine weitere Gemeinsamkeit. Vor vielen Jahren wurde das Evangeliar Heinrichs des Löwen verkauft. Es wurden gewaltige Preise geboten. Und dann in einer Mischfinanzierung zwischen dem Land Bayern und dem Bund einigte man sich, dass von den 42 Millionen DM je die Hälfte der Freistaat Bayern aufbringen muss und die Hälfte der Bund. Und der Bund machte dann aber Folgendes: es wurde zu gleichen Teilen der Staatsbibliothek in München und der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel übereignet. Und da wir aus süddeutscher Sicht Wolfenbüttel gewissenmaßen als Vorort von Bremen empfinden, ist auch hier eine deutliche Gemeinsamkeit gegeben.

Sie alle kennen Gabriel von Seidel. Gabriel von Seidel, den großartigen Baumeister, den Gründer des Isartalvereins, der seit über 100 Jahren Grundstücke an der Isar aufkauft, um sie der Allgemeinheit zur Verfügung zu  stellen, der baute in München das Bayerische Nationalmuseum, das Deutsche Museum und viele andere bedeutende Einrichtungen. Aber München war so unglaublich großzügig, dass es Gabriel von Seidel nach Bremen ausgeliehen hat und dort schuf er nun sein absolutes Meisterwerk, das Bremer Rathaus, die Heimstätte des Bremer Tabakcollegiums, das schönste Rathaus der Welt mit dem wohl besten Weinkeller!

Und wenige Tage vor seinem Tode wurde das von Gabriel von Seidel gebaute Rathaus fertig und er bekam einen Ehrenkranz aus Bremen und er starb mit den Worten:
„Hoch lebe Bremen und der großartige und doch so feine Geist, der es belebt!“,  und dann starb er, das war sein Vermächtnis!

Und Bremen hatte immer beste Beziehungen zu Bayern, umgekehrt nicht ganz so gut. Denn schon1850 führte Bremen bayerische Waren ein und Bremen lieferte das Dreifache. Das hielt sich bis in das 20. Jahrhundert, dass immer mehr als dreimal so viel von Bremen nach Bayern geliefert wurde. Aber Bayern gründete 1853 das erste Konsulat in Bremen, weit vor Hamburg, und so das auch hier wieder bestätigt wurde: Bremen stand an erster Stelle!

Sie wissen ja wohl nicht, dass der Gründungsvorstand und die Gründungsinitiative für den FC Bayern München von Bremern ausgegangen ist? Und zwar Kuno Friedrich und Wilhelm Focke waren die Gründer. Wilhelm Focke war der Bruder des berühmten Flugzeugbauers. Also Die haben weitläufig und global gedacht und den FC Bayern gegründet. Und merkwürdigerweise gibt es noch heute eine Abhängigkeit des FC Bayern  von Bremen, bezieht der FC Bayern einen wesentlichen Teil seiner Neuzugänge aus Bremen. Da der FC Bayern über unendliche finanzielle Mittel verfügt, muss es nun – um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, ein Fußball- Museum gründen. In diesem Museum müssen nun alle Trophäen, alle Wimpel, alle Pokale, alle Medaillen, alles was der FC Bayern in tausendfacher Ausfertigung inzwischen bekommen hat, noch einmal dupliziert werden und das kann nur die Bremer Manufaktur Koch & Bergfeld erledigen, nur die ist in der Lage, das zu machen.

1981 habe ich den Spruch erfunden und habe den vor einem prominenten Kreis vorgetragen: „München sei die größte Verlagsstadt Europas, die zweitgrößte der Welt nach New York!“ Seitdem wird dieser Spruch immer wieder wiederholt und zitiert und er ist merkwürdigerweise - oder glücklicherweise - noch nie nachgeprüft worden. Aber, auf jeden Fall steht fest: München ist eine bedeutende und gewaltige Verlagsstadt!

Da kann Bremen zunächst nicht ganz mithalten, aber es gibt keine berühmten Münchner Verleger, die sind alle ganz woanders geboren und sind irgendwann nach München gezogen, während in Bremen die bedeutendsten Verleger die man sich vorstellen kann geboren sind, und zwar Anton Kippenberg und Ernst Rowohlt, das sind echte Bremer! Anton Kippenberg hat mehr für die Verbreitung des gepflegten guten Buches, des preiswerten bibliophilen Taschenbuches getan, als jeder andere, und Ernst Rowohlt hat mit seinen „rororo“ nach dem 2. Weltkrieg mehr populäre Literatur überhaupt verbreitet als jeder andere Kollege und das verdanken wir eben Bremern.

Es wurde auch die „Bremer Presse“ um 1900 in Bremen gegründet  von Rudolf Alexander Schröder und Hugo von Hofmannsthal. Sie zogen dann 1922 nach München und begründeten dort erst eine Münchner „Buchkunst“. Wir haben also genügend Dinge, wo wir also gewissermaßen in München auf Bremen angewiesen sind oder das erst von Bremen her übernehmen konnten.

Ich freue mich heute ganz besonders, Herrn Professor Bullinger begrüßen zu dürfen. Herr Bullinger, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, wird heute den Vortrag halten und ich bin glücklich darüber, dass er das übernommen hat. Er wurde 1944 in Stuttgart geboren, Schüler und Nachfolger von Hans-Jürgen Warnecke, der ebenfalls viele Jahre Präsident der Fraunhofer Gesellschaft war. Herr Bullinger  ist es seit 2002. Unter ihm hat sich die Fraunhofer Gesellschaft zur größten Forschungseinrichtung für die angewandte Forschung entwickelt. Sein Jahresetat beträgt inzwischen über 1,7 Milliarden Euro und davon werden mehr als 60 Prozent aus Eigenmitteln getragen. Das heißt, diese Einrichtung bringt rund eine Milliarde Euro auf, um diese Forschung zu ermöglichen, aus Auftragsforschungen und anderen. Das führte auch dazu, dass er 2009 zum Manager des Jahres gekürt wurde. Das muss man sich vorstellen, der Direktor, der Präsident einer Forschungseinrichtung wurde „Manager des Jahres“! Und er verfügt über 60 Institutionen über das gesamte Bundesgebiet und es gibt keinen Forschungsbereich, der nicht entsprechend davon beeinflusst oder auch weitergeführt wird.

Herr Bullinger ist eine Schlüsselfigur der deutschen Wirtschaft. Er ist in unzähligen Aufsichtsräten. Es würde mir ein Vergnügen machen, die alle aufzuzählen, aber das würde schlicht zu lange dauern. Er ist aber noch in Beiräten und in sonstigen Gremien tätig und aktiv mitwirkend. Er ist der beste schwäbische Redner, den ich kenne, aber er ist von einer Kompetenz, von der Sie sich nachher alle überzeugen können!

Ich wünsche weiterhin einen guten Appetit!