169. Zusammenkunft am 02. Juni 2010
auf Schloss Langenburg (Hohenlohe)


 

2. Tischrede - S.D. Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenberg

Verehrter Herr Bundespräsident, lieber Roman,
sehr geehrter Doktor Adam,
meine Herren des „Kleinen Gremiums“,
werte Gäste,

es ist mir eine große Freude, oder wie ich gerade gelernt habe: dat freut mi, Sie anlässlich Ihrer 169. Zusammenkunft auf Schloss Langenburg begrüßen zu dürfen und ich heiße Sie in Langenburg sehr herzlich willkommen.

Für einen echten Hohenloher, mit dem ihm eigenen Dialekt, war der soeben zelebrierte Trinkspruch zum Löffeltrunk doch etwas exotisch und ich kann nur hoffen, dass ich beim Ton auch den „Rechten drapen“ gefunden habe. Für die Ehre des Trinkspruchs und die Ausstattung mit den Collegiums - Utensilien danke ich sehr herzlich. Ich weiß diese Tradition sehr zu schätzen.

Sie sind zu Ihrer Zusammenkunft aus allen Teilen der Bundesrepublik, aber insbesondere aus dem hohen Norden in eine Region angereist, welche noch immer vermeintlich weitgehend unbeachtet abseits der großen Verkehrsströme ihre Ursprünglichkeit erhält. Eine spannende Region, welche seit Jahrhunderten den Namen meiner/ unserer Familie, Hohenlohe, trägt.

Doch bevor ich etwas zur Geschichte & Tradition sage, einige Worte zu meiner Person, damit Sie mich etwas kennenlernen:

Meine Eltern sind Fürst Kraft zu Hohenlohe-Langenburg und Prinzessin Charlotte von Croy. Ich habe zuerst eine Banklehre bei der Bayrischen Vereinsbank in München. Danach ein BWL-Studium an einer privaten Universität in München. Meine Berufserfahrungen habe ich in London und in München gesammelt. Hauptsächlich im Bereich der Sportrechte und der Sportvermarktung. 2003 habe ich die Saskia Binder geheiratet, Tochter von Dr. Hans-Peter Binder, der heute auch unter uns ist.

Ich habe inzwischen 2 Söhne. Einen 5-jährigen Max-Leopold und einen 3-jährigen Gustav. Seit 2004, als mein Vater verstarb, bin ich hier nach Langenburg gekommen, um den Betrieb zu leiten.  

Das Gesamthaus Hohenlohe führt seine Wurzeln zurück bis ins 12. Jahrhundert. Beurkundet ist die Namensführung seit 1178 nach der Burg Hohenloch, bei Uffenheim, ca. 50 km nordöstlich von hier. Ende dieses Jahrhunderts wird auch das Wappen, zwei nach links schreitende Leoparden, als Zeichen der Familie greifbar.

Es würde den Zeitrahmen sprengen und am Inhalt einer Begrüßungsrede vorbeigehen, wollte ich Ihnen die Entwicklung des Hauses Hohenlohe durch die Jahrhunderte erläutern und so will ich mich quasi „im Zeitraffer“ auf einige Eckdaten meiner Familie beschränken. Mit meiner Familie meine ich die Linie Hohenlohe - Langenburg und meine direkten Vorfahren.

Im Gesamthaus gibt es noch heute, mich eingeschlossen, 6 Fürsten der verschiedenen Linien, im traditionellen Hohenloher Land (im Westen von Öhringen bis Schillingsfürst im Osten und im Norden von Bad Mergentheim bis kurz hinter Schwäbisch Hall im Süden.)Heute auch anwesend, meine werten Onkeln, Fürst Ferdinand zu Hohenlohe – Bartenstein sowie Prinz Johannes zu Hohenlohe-Jagstberg.

Als Stammsitz der jungen Hohenloher ist Schloss Weikersheim anzusehen.

Aber früh ist Langenburg als Besitzung verliehen worden. Ursprünglich nur eine staufische Wehranlage aus dem 12. Jahrhundert; wird es 1226 erstmals urkundlich erwähnt und war bis Ende des 16. Jahrhunderts keine Residenz. Wirtschaftlich und politisch wichtig für die Hohenloher Grafen waren damals Weikersheim und Öhringen.

1555 entstanden durch Erbteilung die beiden Hauptlinien Hohenlohe-Neuenstein und Hohenlohe-Waldenburg (mit heute noch 6 weitere Linien). Langenburg gehört zur protestantischen Linie Hohenlohe - Neuenstein. HB & HJ zu der katholischen Waldenburger Hauptlinie.

Anfang des 17. Jahrhunderts erbte Graf Philipp Ernst Schloss Langenburg. Nachdem seine Brüder schon anständige Schlösser hatten (Weikersheim bzw. Öhrringen), wollte er auch "mitspielen" und er baute sich Langenburg zur Residenz aus. Es entstand der prachtvolle Renaissance Innenhof, welchen wir nachher durchqueren, mit seinen Galerien, die Volutengibeln, der Schlossgarten und weitere Prunkräume. Mit der beginnenden Barockzeit folgte ein "leichter" Umbau. Man lebte in Erwartung auf die Erhebung in den Fürstenstand (1764) und baute und lebte barock. In der Zeit entstanden die deutlich herrschaftlicheren Zugänge zum Schloss mit Brücken und breiten Toren. Man gönnte sich das  außerhalb Langenburg liegende Jagd- und Lustschloss Ludwigsruhe.

Kurz nach der Erhebung in den Fürstenstand  1764 kam Napoleon daher: 1806 - Mediatisierung: Die Region Hohenlohe, mit ihren zerklüfteten Territorien fällt an das Königreich Württemberg. Seit dieser Zeit gibt es ein spezielles Verhältnis zu den Schwaben. „Schwabe sein ist Schicksal, Hohenloher sein ist Gnade…“ ist einer der Autoaufkleber, die bei uns auf vielen Fahrzeugen zu finden sind. Selbstverständlich finden wir uns seit 204 Jahren besetzt. Die Palästinenser sollen sich nicht beschweren, weil, wir haben es länger ausgehalten! Spaß beiseite, das ist nur ein kleiner Witz.

Baugeschichtlich passiert dann bis ins 20 JH nichts Wesentliches mehr. Aber in der Nacht vom 23./24. Januar 1963 vernichtete ein Grossbrand den gesamten Ostflügel, den Glocken- und Bettenturm sowie Teile des Nordflügels. Die neue Zentralheizung war eingebaut und angeschlossen, aber der TÜV hatte den Kessel noch nicht abgenommen. Ausgebrochen war der Brand in einer der 74 Kachel- bzw Gusseisernen Öfen wohl im I.OG. als Kaminschwelbrand. In den alten Holzdecken war reichlich Dämmmaterial Stroh und Holz so dass das Feuer rasend schnell und mit ungeheuerlichem Rauch sich ausbreitete. Die Löscharbeiten wurden durch -18° Kälte erheblich erschwert und noch heute erinnert sich die ganze Umgebung an diese furchtbare Nacht. Insbesondere wurden die Privaträume und Wohnräume der Familie völlig zerstört, was natürlich bedeutet, dass wertvolle alte Möbelstücke, Gemälde und Schmuck unwiederbringlich verlorene gingen.

Durch diese Katastrophe wurde auch mein Vater, erst 27jährig, zum Bauherrn in größerem Umfang, dieses allerdings zwangsweise.

Denn es war für ihn, weil er sich der Familie und der Tradition stark verpflichtet fühlte, keine Frage, umgehend mit den Wiederaufbaumaßnahmen des Stammschlosses der Hohenlohe-Langenburger Linie zu beginnen.

Der Sanierungsaufwand von 6 Millionen DM bedeutete die Verkäufe von Schloss Weikersheim, Tierberg und auch von landwirtschaftlichen Betrieben. 1967 war der Wiederaufbau abgeschlossen, was mit dem Allianzwappen meiner Eltern am Ostflügel bekundet wird.

(Wahlspruch Haus Hohenlohe: „ex flammis orior“
Wahlspruch Haus Croy: „ich erhalte“)

Ein besonderer Umstand gab meinen Vater die Chance einen neuen Wirtschaftszweig aufzubauen. Anstoß war der Besuch durch Ihre Majestät die Queen Elisabeth II und ihren Mann, den Herzog von Edinburgh am 24. Mai 1965, der seine Schwester, meine Großmutter Fürstin Magaritha besuchte. Meine Familie konnte die Gäste anlässlich eines Staatsbesuches in Deutschland zu einem privaten Abendessen begrüßen. Die Rede des damaligen Langenburger Bürgermeisters Gronbach ist legendär geworden und muss noch immer bei Funk und Fernsehen für Berichte aus Langenburg herhalten. Sie ist auf Youtube im Internet ein "Oettinger Englisch Vorbild".

Ich erwähne diesen Besuch heute nicht um mich mit unseren verwandtschaftlichen Beziehungen zum englischen Königshaus zu brüsten.

Aber dieser Besuch, mit der damaligen TV Berichterstattung, hat Langenburg eine bundesweite Bekanntheit gebracht, und damit viele Besucher nach Langenburg gelockt.

Auf dieser Besucher - Welle durch den Queen- Besuch, konnte der Verein Deutsche Automuseum an Ostern 1970 gegründet & eröffnet werden. Zusammen mit dem Rennfahrer und Motorjournalisten Richard von Frankenberg, richtete mein Vater, Fürst Kraft, im renovierten Marstall das erste markenunabhängige Automuseum ein. Es wurde zu einem großen Erfolg, was nach Erweiterungen 1972 und 1977 die Ausstellung auf über 70 Fahrzeuge wachsen ließ. Inzwischen arbeiten wir an einer Modernisierung des Museumkonzeptes, welches hoffentlich bis 2011 umgesetzt werden kann.

Schon 1950 eröffnete mein Großvater, Fürst Gottfried, das "Schlosscafés im Rosengarten" unterhalb des Barockgartens. 1960, noch vor dem Brand, feierte das Schlossmuseum seine Eröffnung. Einige der Räume werden Sie anschließend kennen lernen.

Aber auch die „Wibele“, ein kleines Vanille- Gebäck, haben Langenburg nahezu europaweit bekannt gemacht. Und ich wette, dass einige von Ihnen zuhause die bekannte grüne Wibeles- Dose mit dem Schloss vorne d'rauf haben.


Das traditionelle Standbein in Langenburg war und ist noch heute die Forstwirtschaft. Wir bewirtschaften knappe 2.800 ha Forst rund um Langenburg und Kirchberg an der Jagst sowie bei Weikersheim im Taubertal. Seit der Primogenitur im 17. Jahrhundert, fällt der Besitz immer ungeteilt an den ältesten Sohn um die entsprechende wirtschaftliche Basis zu gewährleisten und so den Besitz zu erhalten.

Seit meiner Übernahme des Betriebes im Jahr 2004, versuche ich neue Wege zu erschließen um den Unterhalt des Schlosses kostendeckend zu gestalten. Wie in vielen historischen Häusern ist der Erhalt kaum aus einem mittelständischen Unternehmen zu finanzieren. Langenburg hat 5 ha Mauern, 4 ha Dächer über 1 km Heizungsrohre. Nun versuchen auch wir durch Veranstaltungen wie z.B. die Fürstlichen Gartentage, Hochzeiten und Events sowie der Waldkletterpark Hohenlohe auf der Nasenspitze des Schlossberges neue Ertragsquellen zu erschließen.

Ziel meiner Bestrebungen ist die Etablierung von Schloss Langenburg als regionalem Zentrum und Spiegelbild Hohenlohes. Mein Plan wäre die Ansiedlung von Unternehmen und Stiftungen im Schloss, um mit ihnen gemeinsam in Langenburg ein nachhaltiges Zentrum dieser Region aufzubauen. Diesem kommt die Entwicklung von Hohenlohe zur Slow Food Modelregion oder auch Genießerregion, mit den beiden traditionellen Rassen der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft, dem "Boeuf de Hohenlohe" bei den Rindern, und den "Hällischen Schweinen" zugute. Die Mischung aus Weltmarktführern, wie Würth, Berner ebmpapst, um nur einige zu nennen, und ländlichem Charme, macht Hohenlohe zu einer nachhaltigen und vorbildlichen Region.

Erlauben Sie mir einige Gedanke zu Bewahrung von Traditionen, Werten. Ich sehe meine Aufgabe, einen traditionellen Familienbesitz/ Unternehmen in die nächste Generation zu überführen auch als Bewahrung von  Wurzel. Denn ohne solche historischen und regionalen Wurzeln und ohne Tradition wäre unsere Gesellschaft seelenlos. Mit Sorge blicke ich auch auf das Verschwinden und das Desinteresse an Werten und Kultur. Personen und Berufsgruppen die Verantwortung tragen, werden, vor allem in der jetzigen Zeit, in der Öffentlichkeit gerne mit zügelloser und maßloser Kritik konfrontiert. Der aktuelle Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler hat, wie er selbst ausdrückte, auch etwas mit dem Respekt gegenüber seinem Amt zu tun. Woran liegt diese Respektlosigkeit bzw. das Verschwinden von Werten in einer Gesellschaft in der Leistungs- und Würdenträger immer öfters an den Pranger gestellt werden?

Ist das nun die Folge der Kindererziehung durch die 68iger? Diese Generation war angeblich die erste, die mit einer Erziehung ohne Respekt und Werte aufgewachsen und geprägt wurde. Nun sind sie Politiker, Journalisten oder Lehrer oder Sonstiges und prägen unsere Gesellschaft mit. In England ist die die Welt zwar auch nicht rosig, aber dort gibt es einen Stolz auf die eigene Geschichte und Kultur. Was ich manchmal beneide. Diese Traditionen werden bewusst und lebendig zur Schau gestellt. Bspw. mit Paraden und öffentlicher Traditionspflege, die der Bevölkerung auch die Möglichkeit bietet stolz auf ihre Geschichte und Wurzeln zu sein. Ich glaube auch, dass mit dem Bewusstsein der eigenen Herkunft auch ein Respekt auf Amt und Staat entsteht. Leider haben wir Deutschen durch unsere unrühmliche Geschichte viele Traditionen zerstört. Nicht nur Staats - Symbole, sondern auch in vielen anderen Bereichen. Die Kulturlandschaft Hohenlohes wird durch Weidewirtschaft und Ackerbau geprägt. Doch essen wollen wir alle nur italienische Pizza, argentinisches Rindersteak und chilenischen Wein „saufen“. Denn deutsche Küche wird immer noch oft als biedere Hausmannskost dargestellt. Der Erhalt von unwirtschaftlichen Gebäuden, oder das bewusste Unterstützen von heimischen Bauern und Produkten, ist für mich eine Form der Pflege von Wurzeln und Heimat.

Ich will nun nicht in eine nationale Identitätskriese herbeireden, aber uns zu denken geben, was alles noch verloren werden kann, wenn wir unsere Wurzeln und Identität nicht erhalten können. Wir haben in Deutschland 20.000 Burgen und Schlösser. Wie viele davon privat bzw. staatlich sind, weiß ich nicht. In Zeiten von leeren öffentlichen und privaten Haushaltskassen, habe ich die Furcht, dass wir noch mehr Wurzeln und Traditionen verfallen lassen werden. Dies soll nun um Gottes Willen kein Schrei nach Verstaatlichung von Schlössern sein. Aber ein gezielterer Einsatz von Öffentlichen Mitteln, kann in vielen Bereichen gute Traditionen bewahren und schreckliche Entwicklungen, speziell in der Nahrungsmittelproduktion stoppen. Eine nationale Aufgabe und Lösung sehe ich in der Bildung. Diese darf nicht nur auf Naturwissenschaften und Betriebswirtschaft ausgelegt werden, sondern muß auch ein Verständnis für unser Erbe erzeugen und sogar darin eine Chance vermitteln.

Wir brauchen eine Generation, die für die Zukunft gut ausgebildet wird, um auf dem globalen Markt zu bestehen. Aber sie darf nie unsere traditionellen Werte und regionalen Wurzeln ignorieren.

Für uns alle gilt: Zu überlegen wie ich gezielt regionale Wirtschaftkreisläufe stärken kann. Ob das die Wertschätzung von heimischem Holz als Bauträger ist oder wie ich beim Einkauf von Lebensmitteln, heimische Kulturlandschaften erhalten kann und nicht Aldi und Lidl zu weiterem billig, billig und Masse, Masse animiere.

"Mit Tradition in die Zukunft", so hoffe ich, wird ein Motto für die kommenden Aufgaben, nicht nur hier in Langenburg sein.

Ich danke für Ihr Interesse. Aber vor allem danke ich dem „Kleine Gremium“, dass es sich diesen Ort ausgesucht hat, um eine wertvolle Tradition zu pflegen. Ich wünsche allen einen schönen Abend und behalten Sie diese wunderbare Region Hohenlohe in guter Erinnerung.