Jahresschluss-Collegium am 04. Dezember 2014 im
Alten Rathaus zu Bremen


 

2. Tischrede – Senator Martin Günthner

Lieber Patrick Wendisch,
sehr geehrter Herr Professor Rürup,
meine Herren,

es ist mir eine ganz besondere Freude für den Bremer Senat Ihnen die besten Grüße und Wünsche zu diesem Jahresschluss-Collegium des Bremer Tabak-Collegiums zu überbringen. Ich mache das stellvertretend für Herrn Bürgermeister Böhrnsen, der Sie herzlich grüßen lässt. Ich bin also heute hier für diesen Abend der Hausherr und darf Sie als Hausherr in unserem wunderschönen Bremer Rathaus, dass seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und damit in so eindrucksvoller Weise für die Tradition dieser Stadt, für die hanseatischen Tugenden, für 1.000 Jahre Kaufleute, für 800 Jahre Hafen, für 600 Jahre Unabhängigkeit steht, begrüßen.

Ich mache das insbesondere auch ausgesprochen gerne, weil ich bei den letzten Zusammenkünften in Wien und Krakau das Tabak-Collegium in ganz besonderer Weise genießen konnte. Die Geselligkeit, die guten Gespräche, die wir auch bei Tisch führen, die interessanten Vorträge – das Tabak-Collegium ist Botschafter für Bremen. Ich finde, das auf sehr eindrucksvolle Weise, weil es eben nicht nur gutes Essen, sondern eben auch kritischen – ich nehme an, Herr Professor Rürup, gleich durchaus auch offenen Dialog und offene Diskussionen über Fragestellungen, die uns interessieren, die wichtig sind für diese Stadt, zusammenbringen.

Ich will aber auch – und ich weiß, der Bürgermeister hat das in den vergangenen Jahren auch immer gemacht – darauf hinweisen, dass es übrigens nicht so gewesen ist, dass der Senat dafür gesorgt hat, dass hier bei den Bremischen Traditionsveranstaltungen, lieber Patrick, hier geraucht werden darf, sondern der weise Gesetzgeber war das, die Bremische Bürgerschaft, und da einige Abgeordnete hier auch im Raum sind, will ich das durchaus erwähnen. Und natürlich gehört Tabak in Bremen auch dazu.

1622 ist ein Buch über die Gesundheit und die besondere positive Wirkung von Tabak von einem Bremer geschrieben worden. Das erste Buch dieser Art. Und Bremischer Tabak, den kann man übrigens auf die eine oder andere Art auch heute noch genießen.

Ich habe im Rahmen einer meiner Delegationsreisen vor einigen Wochen die Gelegenheit gehabt, Wolfgang Köhne, der auch heute Abend hier ist, in Jember auf Java zu besuchen und zu lernen, dass das, was der eine oder andere hier im Raum in seinem Garten wahrscheinlich vom Gärtner wegschneiden lassen würde, nämlich das, was ganz unten an den Pflanzen ist, das Sandblatt – also für die, die nachher nicht zur Tonpfeife greifen, sondern die zur Zigarre greifen, dass, was Sie als erstes an den Lippen spüren, das ist das Sandblatt, das ist das Beste an der Tabak- Pflanze und das ist, was die Tabak-Pflanze auch in ganz besonderer Weise edel macht und in ganz besonderer Weise auch nutzbar macht und auch das gehört zu dieser Stadt dazu, dass wir stolz darauf sind, diesen Tabak zu handeln und damit auch wirtschaftlich zum Geschehen und Gelingen dieser Stadt beitragen.

Ich will aber auch darauf hinweisen, weil natürlich der ein oder andere Gast von außerhalb unter uns ist: Bremern als zehntgrößte Stadt, als fünfgrößter Industriestandtort– wir haben eben schon am Tisch darüber gefrotzelt: der Airbus-Chef erzählt immer die Geschichte, wenn man die Kabine des Airbus baut, dann ist das ein Bus, wenn man die Flügel an die Kabine baut, dann ist es ein Bus mit Flügeln aber erst mit den Hochauftriebssystemen, die in Bremen im Werk gebaut werden, wird daraus am Ende des Tages ein Airbus.

Wenn Sie sich anschauen, was Bremen an Ritterschlag in dieser Woche und auch in den vergangenen Wochen erhalten hat, durch die Großaufträge im Bereich der Raumfahrt, was bei Airbus Space and Defence läuft, das was bei OHB gemacht wird, was an Satelliten- und Raumfahrttechnologie diese Stadt stark macht, ist das ein Ritterschlag für Technologie made in Bremen.

Und es zeigt übrigens auch an vielen Stellen die eindrucksvolle Verknüpfung zwischen Wirtschaft und Industrie auf der einen Seite und Wissenschaft, Forschung und Entwicklung auf der anderen Seite. Das ist ein Stück weit das Geheimnis, warum Industrie und Wirtschaft in den vergangenen Jahren sich so stark entwickelt haben. Dass es uns gelungen ist, diese Stärken zusammen zu bringen und damit dazu beizutragen, dass Bremen auch wirtschaftlich gut performen kann.

Und das ist übrigens möglichweise eine spannende Aufgabe für Sie, lieber Herr Rürup, herauszufinden, wie es eigentlich sein kann, dass eine Stadt wie Bremen, mit 25 Milliarden BIP im Jahr, mit Stärken bei Mercedes, im Hafen, bei Lürssen, CTS Eventim, bei vielen Unternehmen, die ja auch heute hier vertreten sind, wie es sein kann, dass sie auf der einen Seite diesen wirtschaftlichen Erfolg, diese wirtschaftliche Exzellenz, diese wirtschaftliche Stärke haben und auf der anderen Seite Arbeitslosigkeit, Armut, finanzielle Probleme in den Kassen. Normalerweise kann es ja nicht zusammenpassen, dass man wirtschaftlich stark ist und gelichzeitig auf der anderen Seite diese Probleme hat.

Deswegen ist das die große Herausforderung, vor der wir alle miteinander stehen, dazu beizutragen, dass diese wirtschaftliche Stärke auf der einen Seite weiterentwickelt werden kann und auf der anderen Seite dazu beizutragen, dass – und ich finde, das ist das zentrale Thema, das wir miteinander haben – Aufstiegsperspektiven für Menschen in dieser Gesellschaft eröffnen. Und diese Aufstiegsperspektiven laufen über Bildung, die laufen über Ausbildung und Arbeit und ich bin der festen Überzeugung, die beste Möglichkeit Arbeitslosigkeit und Armut zu bekämpfen besteht darin, dass wir Menschen in Arbeit bringen. Das können wir nur an einem starken Wirtschaftsstandort, wie Bremen, wenn wir dazu beitragen, dass diese Stadt sich wirtschaftlich weiter stark entwickeln kann. Dass wir nicht mit dem Bettelstab durch das Land laufen, dass wir nicht im Büßergewand durch das Land laufen, dass wir selbstbewusst auftreten, Stolz auf die lange Tradition, die wir haben, sind, stolz sind auf die wirtschaftliche Stärke, die wir haben, und insofern gehört auch das Tabak-Collegium als Botschafter Bremens, der diese Botschaft in die Welt hinaus trägt, dazu. Insofern noch einmal die besten Grüße des Bremer Senats und ich freue mich hoffentlich jetzt auf eine schöne Zigarre von Wolfgang Köhne.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!