170. Zusammenkunft am 23. September 2010
im Haus für Mozart in Salzburg/Österreich


 

Begrüßung - Dr. Manfred Osten

Exzellenz, Frau Präsidentin, meine Herren,

Da wir uns hier im Haus für Mozart versammelt haben und unser Vortrags-Thema heute Abend das Komische in der absoluten Musik ist, so lassen Sie mich mit Mozart beginnen. Denn auch  er hatte  einen hochentwickelten Sinn für das Komische und seine Komposition mit dem Titel Ein musikalischer Spaß ist sogar weltberühmt geworden. Erlauben Sie mir daher ein weiteres Beispiel des Komischen aus der Zeit Mozarts in Salzburg. Als Hoforganist des Fürstbischofs Colloredo rangierte er nämlich hier zu seinem Missvergnügen an der Tafel des Fürstbischofs zwischen den Leibdienern und den Köchen. Am 4. April 1781 macht er seiner Empörung Luft. Er  schreibt  seinem erschrockenen Vater, dass der  Fürstbischof ein  „Erzlümmel“ sei. Und fügt hinzu:  „Oh, ich will dem Erzbischof gewiss eine Nase drehen, dass es eine Freude sein soll.“ Das Komische an diesem Brief ist, dass Colloredos Zensurbeamten diesen Brief leider gelesen haben. Mit dem tragikomischen  Ergebnis, dass Mozart von Graf Arco mit einem Fußtritt zur Türe hinaus befördert wird und Salzburg in Richtung Wien verlässt.

Ich denke, dass wir alle mit Ihnen, Frau Dr. Rabl-Stadtler, als Präsidentin der Salzburger Festspiele, Ihr „Haus für Mozart“ als eine würdige Rehabilitation des von Colloredo verkannten Genies empfinden. Und wir danken Ihnen, dass wir  nun in seinem Haus Ihre großzügige Gastfreundschaft genießen  dürfen. Hinzu kommt, dass  die heutige 170. Zusammenkunft des Bremer Tabak-Collegiums gewissermaßen selber auch im Zeichen Mozarts steht. Denn es  war immerhin ein Bremer, Dr. Daniel Schütte, der Begründer des Bremer Konzertwesens, der Mozart wenige Jahre nach seinem tragikomischen Salzburger Abschied in Wien kennen und schätzen lernte. Mit dem Ergebnis, dass Mozarts Musik bereits im 18. Jahrhundert in Bremen erklungen ist.

Und  der in Bremen ansässige Adolf Freiherr von Knigge hat daraufhin sogar ein deutsches Libretto für die Bremer Erstaufführung der Mozart-Oper „Figaros Hochzeit“ verfasst. Auch sonst war  man dem Wien der Mozartzeit in Bremen sehr nahe. Denn zu dieser Zeit war Bremen in Wien noch durch Gesandtschaften am kaiserlichen Hof vertreten. Und ich freue mich, dass gleichsam als bundesdeutsche Fortsetzung der deutsche Botschafter in Wien, Herr Blomeyer-Bartenstein, heute unter uns ist.  Bereits 1646 hatte Bremen sogar großzügig dem Kaiser in Wien zur Verteidigung der Stadt gegen die Türken 80 Bremer Reiter entsandt. Der Weg von Bremen aber nach Wien war damals offenbar besonders weit. Und so ereignete sich denn eine weitere Komik: Das  Bremer Reiter-Kontingent traf in Wien erst  ein, als die Schlacht bereits geschlagen und der Frieden von Vásár schon geschlossen war. Dafür ist Bremen aber immer pünktlich seiner Steuerpflicht an das kaiserliche Österreich nachgekommen.

Die historische Komik dieses Bremer Reiterkontingents werden Sie im Übrigen heute Abend   im großen Karl-Böhm-Saal zumindest mittelbar wiederfinden .Und zwar können Sie im größten Deckengemälde Österreichs der Renaissancezeit aus dem Jahr 1690  eine weitere historische Reiterkomik betrachten. Denn das Deckenfresko zeigt Angriffe auf sogenannte Türkenpuppen. Diese Angriffe nannte man  „Türkenkopfstechen“. In der Barockzeit diente dieses „Türkenkopfstechen“ als Programm der Kavallerie-Ausbildung. Es war die Einübung für Reiterattacken. Der moderne Begriff der „political correctness“ war also damals, wie Sie sehen,  offenbar noch nicht bekannt. Ich denke auch, dass keiner von uns auf die Idee kommen wird, Parallelen zu ziehen zum soeben berühmt gewordenen Buch eines ehemaligen Berliner Finanzsenators. Zumindest dürften die soeben erwähnten österreichisch-bremischen Hinweise allein schon genügen,  um nun mit Frau Dr. Rabl-Stadtler  den traditionellen Bremer  Löffeltrunk zu zelebrieren. Zu diesem Löffeltrunk darf ich jetzt unsere Gastgeberin zu mir bitten, um mit ihr den zugehörigen  plattdeutschen Trinkspruch auszubringen. Wobei wir auf die österreichische Übersetzung verzichten wollen.

ik seh di – dat freut mi
ik drink di to – dat doo
„Prost“
ik heff di tosapen – hest den Rechten drapen