172. Zusammenkunft am 06. Oktober 2011
in der Bayerischen Staatsbibliothek zu München


 

Begrüßung – Senator E.h. Prof. Dr. h.c. mult. Klaus G. Saur

Meine Herren,

ich darf Sie ganz herzlich im Namen des `Kleinen Gremiums´ des Bremer Tabak-Collegiums hier in diesen heiligen Hallen in der Bayerischen Staatsbibliothek zu unserer Zusammenkunft begrüßen!

Die Bayerische Staatsbibliothek, die bedeutendste Bibliothek in Deutschland und weit darüber hinaus. Die wichtigste Bibliothek für viele von Ihnen, für mich, für viele andere, eine wunderbare Einrichtung! 1558 durch Herzog Albrecht V. gegründet. Er musste dazu eine Bibliothek des Herrn von Widmannstädter aufkaufen, der ersten damals geschlossenen Sammlung. Und eine wirkliche Bibliothek wurde es erst durch Augsburg, denn 1571 konnte die Bibliothek von Johann Jakob Fugger erworben werden.

Augsburg war München in vielem voraus. 1455 erschienen schon die ersten Bücher in Augsburg und erst 1482 kam der erste Münchner Titel heraus, und der musste bei einer Augsburger Druckerei gedruckt werden! Ein Pilgerführer für fromme Christen nach Rom. Und er musste in Augsburg gedruckt werden, weil die Zensurvorschriften in München so streng waren, dass sich keine Druckerei hier etablieren konnte.

Aber die Bibliothek Fuggers schuf die Grundlage für diese Bibliothek. Und schon 1663 kam der König auf die grandiose Idee als erster in Europa ein Pflichtexemplargesetz zu verkünden, dass jeder Verlag, jede Druckerei und jede Buchhandlung drei Exemplare ihrer neuen Bücher an die königliche Bibliothek abzuliefern hatten. Eine Entscheidung, die sich segensreich bis heute ausgewirkt hat. So sind allein nach dem 2. Weltkrieg, dank der intensiven Produktion bayerischer Verlage, 900.000 Bücher an die Bayerische Staatsbibliothek kostenlos gelangt und haben den Bestand erheblich vermehrt.

Das Allerwichtigste war ein Raubzug. Der Vorfahre unseres Freundes Carl Otmar von Aretin, der Erewein von Aretin, führte die Säkularisierung durch, 1802 bis 1803, und er übernahm - nicht auf freiwilliger Basis - von den Einrichtungen aus 150 Klöstern und Stiften 450.000 Bände und 18.600 Handschriften. Damit war die Universalbibliothek entstanden, die bis heute noch immer erweitert wurde. Auch 1803, direkt danach, wurde von der Kurpfälzischen Hofbibliothek vom Kurfürst Karl Theodor von Mannheim, eine bedeutende Bibliothek gekauft. Die wurde auch ordnungsgemäß bezahlt! Und 1832 wurde auf Veranlassung von König Ludwig I. dieser phantastische Bau von Friedrich von Gärtner errichtet und im Grunde genommen, so wie er heute steht, so wurde er damals auch schon gebaut. Er wurde immer nur renoviert, aber der Prachtbau ist von damals.

Ab 1919 in der Republik hieß es dann: Bayerische Staatsbibliothek, und im 2. Weltkrieg gab es gewaltige Schäden. Das Gebäude war zu 85 Prozent zerstört und 25 Prozent der Bestände waren vernichtet worden. Bis heute ist ein wesentlicher Teil davon wiederbeschafft worden. Auch Dank eines Programms der Volkswagen-Stiftung und vielen anderen Helfern mehr, sind die wichtigsten Bücher mindestens dann als Reprint dann hier vorhanden. 1945 bis 46 begann der Wiederaufbau und 1949 konnte sie wieder voll benutzt werden.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es drei Persönlichkeiten, die diese Bibliothek entscheidend geprägt haben. Der eine war Karl Böck, ursprünglich sogar Bibliothekar dann Ministerialrat, dann wurde er Ministerialdirektor. Das bedeutet in Bayern natürlich mehr als woanders. Er war der Chef der Verwaltung, der Amtschef. Und unter ihm dienten quasi alle Kultusminister von Alois Hundhammer bis Hans Meier.  Er führte das Ministerium im Stile Montgelas’ mit unerbittlicher Strenge, aber seine Liebe galt der Bayerischen Staatsbibliothek und er hat ihr Mittel verschafft und Zugänge ermöglicht, wie kein anderer. Und das wurde durch die beiden Generaldirektoren Gustav Hofmann und Hans Striedl phantastisch ausgebaut und sie konnten die wertvollsten Bestände zusammenbringen.

Gustav Hofmann war der erste  Deutsche, der nach dem 2. Weltkrieg wieder Präsident einer internationalen Vereinigung war. Und er hatte einen Charme, einen Witz,  er sah aus wie Theo Lingen und das nutzte er brutal aus, um alle Bestände an die Bayerische Staatsbibliothek zu bringen. Und heute ist es die bedeutendste Bibliothek Deutschlands und weit darüber hinaus. Es ist die einzige Bibliothek in der ganzen Welt - und zwar einschließlich Peking - die über die „Rare Book-Collection of Peking“ verfügt. Diese hat keine andere Bibliothek vollständig!

Es gibt noch eine Bibliothek in Deutschland, die größer ist: die Staatsbibliothek zu Berlin. Nur die Münchner ist tatsächlicher bedeutender, denn Berlin hat mehr Bücher, aber vor allem deshalb, weil nach der Wiedervereinigung die Bibliotheken in Ostberlin und in Westberlin zusammengelegt wurden. Und die gesamte osteuropäische Literatur von 1945 bis 1990 ist jetzt doppelt vorhanden, und das zählt in der Zahl der Bücher, aber nicht in der Zahl der Titel. Dazu kommt, die Bayerische Staatsbibliothek verfügt über mehr Handschriften, über mehr Codices, mehr Rara Editionen, als jede andere Bibliothek in Kontinentaleuropa. Sie wird lediglich noch übertroffen über die British Library, die noch reicher, noch wunderbarer ist. Hier in München finden Sie die wunderbarsten, besten Ausstellungen über Ludwig II und über viele andere Themen. Und diese Bayerische Staatsbibliothek ist in der Lage, jede Ausstellung aus Eigenbeständen zu präsentieren. Sie ist auf Leihgaben im Prinzip kaum angewiesen.

Wir haben das große Glück, in diesen Hallen tagen zu dürfen, tafeln zu dürfen, zu essen, zu trinken und zu rauchen. Es ist heute eine Genehmigung erteilt, dass heute Abend geraucht werden darf. Nicht als Pflicht! Nein, als Vergnügen! Auch noch nicht zum Essen, aber danach in der Runde beim Vortrag, da darf dann tatsächlich geraucht werden. Das ist die ganz große Sensation auch dieses Abends!

Ich danke Ihnen sehr, dass Sie gekommen sind und ich darf nun den Herrn Generaldirektor Dr. Griebel - dem ich herzlich dafür danke, dass wir hier sein dürfen - bitten, um mit mir den Löffeltrunk jetzt vorzubereiten und unsere Sprüche auszutauschen, vielen Dank!

 

 

Ik seh di   -   Dat freut mi

Ik drink di to   -   Dat doo

-  Zuprosten  -

Ik heff di tosapen   -   Hest den Rechten drapen!