173. Zusammenkunft am 14. Juni 2012
in der Abtei / Abbaye de Neumünster in Luxemburg


 

Begrüßung – Wilhelm von Boddien

Sehr verehrter Herr Bürgermeister Helminger,

sehr verehrter Herr Prof. Dr. Leisinger,

Meine Herren!

Sie befinden sich hier in einem ehrwürdigen Kloster mit wirklich wechselnder Geschichte: Von den Benediktinermönchen wurde es wohl schon im Mittelalter an anderer Stelle dieser Stadt gegründet. Aber während der Kriege zwischen dem Königreich Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, in deren späteren Verlauf auch das Heidelberger Schloss zerstört wurde, wurde Luxemburg 1543 von den Truppen des französischen König Franz I. besetzt und die alte Benediktinerabtei, heute als  Altmünster bezeichnet, zerstört.

1606 errichteten die Benediktinermönche hier ihre neue Abteikirche, die nun Neumünster hieß. Wie alle Klöster wurde auch dieses Kloster 1796 durch die französischen Revolutionsbehörden säkularisiert und damit der Mönchsorden enteignet, als in Luxemburg die Gesetzgebung des französischen Directoire eingeführt wurde.

Nach der Niederlage Napoleons 1815, diente das Kloster den in Luxemburg stationierten Truppen des Deutschen Bundes bis 1867 als Militärhospital. Aber dann kam etwas ganz Besonderes: danach wurde es bis 1980 ein Männergefängnis.

Schließlich wurde das Kloster gründlich restauriert und ist heute der großartige  Kulturtreffpunkt Neumünster.

Welche Geschichte lebt in diesen Mauern – herzlich willkommen!

Was bringt uns Bremer nach Luxemburg? Gibt es da Gemeinsamkeiten in der Geschichte – oder ist dies einfach nur ein besonders schöner Ort, hier ein Tabak-Collegium zu zelebrieren? Bei letzeren kann man eigentlich nur uneingeschränkt zustimmen.

Aber welche Beziehungen hat dieses Bremen zu Luxemburg?

Bremen ist überseeorientiert, hanseatisch stolz, hat die Nase im Wind. Bremen hat eine gemeinsame Tradition mit vielen Kontinenten und Regionen der Erde. So hat man sich im 19. Jahrhundert mit Beginn des Welthandels mit dem Konkurrenten Hamburg, ein Haus weiter, arrangiert, man teilte sich Südamerika: Hamburg bekam die Westküste mit Argentinien und Brasilien, Bremen die Ostküste mit Chile und Peru. Heute würde man das als Kartell bezeichnen, damals nützte es beiden. Der Geschäftserfolg stand über allem – und zahlte sich aus. Nicht umsonst. Sie sehen, ich bin eigentlich schon beim Thema des Abends – beinahe!

So wurde Bremen eine stolze freie Hansestadt, der Schlüssel in seinem Wappen öffnet heute noch viele Türen. Schon seit Jahrhunderten hatte Bremen beste Beziehungen nach Bordeaux – der Rotwein  wurde sanft im Schiffsbauch von dort nach Bremen geschippert, durch die gleichmäßige Bewegung gewann er an Reife. Die Landwege im späten Mittelalter waren sehr holperig und hätten ihn zerstört, selbst wenn sein Weg durch Luxemburg geführt hätte. Ein wenig von dem Glanz dieser Weine werden Sie heute Abend noch beim Tabak-Collegium verspüren.

Aber  Beziehungen zwischen Bremen und Luxemburg?

Wenn wir darüber nachdenken, fällt einem kaum etwas ein. Eine Suche danach bei Wikipedia verlief enttäuschend. Da gibt es keine nennenswerten Beziehungen, zumindest nicht in der Neuzeit. Also Google – auch da wird es nicht besser.

Auf den ersten zwei Seiten werden nur Flüge – kann man nur sagen? - von Bremen nach Luxemburg angeboten, da muss also irgendwas sein hier, was den Bremern Spaß macht – ich will das nicht weiter vertiefen – Honi soit qui mal y pense,
vielleicht hängt das auch mit Handel und Wandel zusammen?

Auf Seite 4 findet man immerhin, dass die Bremer auch Repräsentanzen in Luxemburg haben – gibt es da vielleicht auch einen Zusammenhang mit der Reiselust?  Es gibt in Bremen eine Luxemburger Straße und der Stahlkonzern Arcelor-Mittal hat immerhin eine Niederlassung in Bremen und seinen Hauptsitz hier in Luxemburg.

Dann verweist Google noch auf Rosa Luxemburg! Also das war ein bisschen
daneben.

Die wusste wohl, wo Luxemburg liegt, machte jedoch zum Glück der Luxemburger ihre revolutionäre Politik lieber in Berlin, vielleicht wusste sie auch, dass die Luxemburger relativ unempfindlich für sozialistisches Gedankengut sind.

Nun soll Luxemburg ja auch ein Steuerparadies sein, was aber die bremischen Beziehungen nicht besonders belastet zu haben scheint, Google berichtet jedoch, dass eine Steuer-CD von Nordrhein-Westfalen aufgekauft wurde.

Man könnte aus all dem schließen, dass unsere modernen Informationsmedien wohl eher oberflächlich und  konsumorientiert die Daten über gemeinsame Beziehungen speichern. Und wieder mal: Ein Schelm, der Böses darüber denkt.

Es muss also etwas Verborgenes geben, das uns Bremer so an Luxemburg fasziniert. Bremen verfügt über ein hervorragendes Staatsarchiv – und da wird man fündig, Dank an dieser Stelle an Prof. Elmshäuser, ich zitiere indirekt aus seinen Recherchen:

Der vielleicht wichtigste Vorgang für Bremen, die Gründung der Stadt, verbindet die Hanse- und Hafenstadt mit dem Großherzogtum an der Mosel, ja man könnte sogar zum Schluss kommen, ohne Luxemburg gäbe es Bremen in seiner heutigen Bedeutung überhaupt nicht:

Der Angelsachse Willehad , ein Schüler Alkuins und als erster Bischof von Bremen der hochverehrte Stadt- und Bistumsgründer, musste im Jahr 782 nach einem Aufstand heidnischer Sachsen sein Missionsgebiet verlassen. Er floh über Friesland, suchte den Papst in Rom auf und sammelte sich mit seinen Getreuen - in dem luxemburgischen Kloster Echternach!

782 hatte Bremen unrühmlich das Licht der Geschichte erblickt – in Bremen wurde ein Priester mit seinen sociis erschlagen -, doch Willehad kehrte aus seinem Luxemburger/Echternacher Exil unbeirrt mit einem neuen Missionsauftrag Karls des Großen zurück an die Unterweser, wo er Bremen zu seinem Bistumssitz wählte.

Den Rest der Geschichte kennt man: das damals sehr viel bedeutendere Echternach blieb ein Kloster, aus dem kleinen Missionsstützpunkt Bremen wurde aber ein Erzbistum, das die christliche Botschaft bis nach Skandinavien trug und die internationalen Kontakte der späteren Freien Hansestadt vorwegnahm.

Als das Erzbistum Bremen im 11. Jahrhundert auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung stand, spielten noch einmal Echternacher Beziehungen eine Rolle:

Erzbischof Adalbert erhielt, wohl aus der Hand von Kaiser Heinrich III. einen wertvollen Kodex, der im Kloster Echternach für den Herrscher angefertigt worden war. Das heute unschätzbar wertvolle Stück ging Bremen leider wieder verloren und ist heute ein Schmuckstück der königlichen Bibliothek zu Brüssel.

Doch scheinen die geistlich-geistigen Bande zwischen Bremen und Luxemburg/Echternach schicksalhaft fest gewesen zu sein und ein glücklicher Zufall entschädigte die Bremer:

In den Wirren des 30jährigen Krieges (1624) gelangte eine wertvolle Bibliothek aus Süddeutschland – vielleicht aus Basel, Herr Professor Leisinger, ich weiß es nicht, damals ja noch Bestandteil des Reiches - durch Ankauf in den Besitz des Bremer Rats. Sie wurde zum Grundstock von Bremens heutiger Staatsbibliothek und ihr wertvollstes Einzelstück war wiederum ein Echternacher Evangeliar aus dem Besitz Kaiser Heinrichs III.

Dieses um das Jahr 1040 entstandene, herrliche Buchkunstwerk ist heute der wertvollste Kunstbesitz der Freien Hansestadt Bremen, weit vor allen anderen Einzelstücken in Bremens öffentlichen Bibliotheken und Museen!

Das alles datiert natürlich aus der Zeit vor der Geburt des modernen luxemburgischen Staatswesens im 19. Jahrhundert.

Doch ging auch diese gemeinsam mit Bremen vonstatten. Luxemburg und Bremen gingen im Jahr 1815 auf Beschluss des Wiener Kongresses als Großherzogtum bzw. Freie Stadt aus den napoleonischen Kriegen hervor. Beide wurden souveräne Mitglieder des Deutschen Bundes.

Bremen und Luxemburg gehörten im Wiener Kongress und im Bundestag zu Frankfurt zu den sog. „mindermächtigen Staaten“ und hatten als solche durchaus gemeinsame Interessen.

Der luxemburgische Gesandte Hans Christoph von Gagern und der Bremer Bürgermeister Johann Smidt gehörten zu einer Gruppe konservativ-liberaler Diplomaten am Bundestag, die auch in schwerer Zeit zusammenhielten. Als der niederländische König den luxemburgischen Gesandte von Gagern im Jahr 1818 wegen des Vorwurfs des Jacobinismus aus Frankfurt abberief, wurde von Gagern mit einer „in Verteidigung eines Freundes“ abgefassten Schrift verteidigt. Ihr Autor: der Bremer Bürgermeister Johann Smidt.

1843 bis 1918 gehörte Luxemburg zum Deutschen Zollverein, was eine Ausrichtung des luxemburger Außenhandels auf die deutschen Seehäfen hin mit sich brachte. Luxemburg hat seit Erscheinen der offiziellen bremischen Handelsstatistik im Jahre 1849 einen festen Platz unter den Handelspartnern der Hansestadt Bremen. Es liefen seit 1849 regelmäßig Importe im Transitverkehr über Bremen nach Luxemburg.

Hochinteressant für uns heute abend und das Tabak-Collegium: Fast ausschließlich bestanden sie aus Tabak, zu dem seit den 1860er Jahren auch Zigarren kamen.

Auch nachdem die holländischen Rheinmündungshäfen und Antwerpen für die Außenwirtschaft des Großherzogtums wichtiger wurden, blieben dennoch die Bremer Ausfuhren von Tabak und Zigarren nach Luxemburg weiterhin bedeutend.

Selbst als Luxemburg seit 1922 der belgisch-luxemburgischen Wirtschaftsunion angehörte und seinen Außenhandel nunmehr ganz überwiegend nur über den Hafen von Antwerpen abwickelte, wurde der Tabak noch über Bremen eingeführt!

In jüngerer Zeit ist vor allem an hochrangige luxemburgische Besuche in Bremen zu erinnern:

-    Großherzog Jean von Luxemburg besuchte 1977 Bremen.
-    Der luxemburgische Ministerpräsident Gaston Thorn war 1978 Ehrengast
     der Bremer Schaffermahlzeit.
-    Im gleichen Jahr nahm Gaston Thorn im Bremer Rathaus am Gipfeltreffen
    der europäischen Regierungschefs teil.

Er machte zusammen mit Helmut Schmidt und Giscard d´Estaing dort Geschichte:

Bei dem Bremer Treffen beschloss man nämlich die Währungsunion und hob den Euro aus der Taufe. Aber das ist ein anderes Thema, es könnte hier vielleicht manchen verdriessen.

Dagegen hilft in Bremen der Löffeltrunk mit dem guten Ammerländer Korn.
Man trinkt sich zu mit einem wunderbaren Spruch, der auch eine Luxemburgisch-Bremische Freundschaft erneuern und vertiefen kann:

Sie sind alle herzlich eingeladen, diesem Trunk zu folgen, wenn die dienstbaren Geister mit Schnaps herumgekommen sind.

 

Sprecher:     Ick seh di!
    Ehrenbürgermeister:    Dat freut mi!
    Sprecher:    Ick drink di to!    
    Ehrenbürgermeister:     Dat do!
    Sprecher:    Prost!!
    Sprecher:    Ick heb di tosapen!
    Ehrenbürgermeister:    Hest‘n Rechten drapen!

 

Meine Herren, nach dem Löffeltrunk bitte ich Sie nun zum Bremer Abendbrot in den Saal!