179. Zusammenkunft am 04. Juni 2015
im Schloss Glücksburg


 

Begrüßung – Prof. Dr. Herwig Guratzsch

Hoheit, sehr geehrte Herren!

Wir sind auf Schloss Glücksburg, dem nördlichsten Schloss Deutschlands. Ich begrüße Sie im Namen des Kleinen Gremiums herzlich zur 179. Zusammenkunft des Bremer Tabak-Collegiums. Es ist nicht zu leugnen, dass Bremens Neigung zu Festen groß ist. Neben dem Schaffermahl und der Eiswette ist das Bremer Tabak- Collegium die jüngste Einrichtung. Im Gegensatz zu den beiden anderen Festen findet es mehrfach im Jahre statt. Bremen als Ort des Collegiums ist dabei eher die Ausnahme. Besondere Schlösser, Burgen, reizvolle Veranstaltungsräume in Deutschland und darüber hinaus, die mit ihrer Architektur anregend wirken, sollen jene Atmosphäre vermitteln, um die jeweils neue Zusammensetzung der Gäste zu inspirieren. Ein nicht genannter Kreis von Freunden dieser Tradition ermöglicht sie und schenkt den neun Mitgliedern des Kleinen Gremiums das Vertrauen, entsprechende Konzepte zu entwickeln und zu verwirklichen.

Das liberale Gespräch, der freie Gedankenaustausch, die ungelenkte Diskussion, das gesellschaftlich relevante Thema, schließlich die Vertraulichkeit, bilden die Mitte der Herrenrunde, um nach wenigen die Gäste einenden Stunden bereichert wieder auseinander gehen zu können.

Sie, meine Herren, sind aus unterschiedlichsten Gegenden hierhergekommen und haben den Blick auf dieses alte Schloss aufgenommen, die Wirkung des Schlosses gespürt - vielleicht in der verdoppelten Spiegelung des Wassers, womit die ästhetischen Reize erhöht werden. Die geschichtliche Tradition, die mit solch einem Herzogshaus verknüpft ist, die fühl- und ahnbaren Geschehnisse, die seit 400 Jahren diese norddeutsche Welt geprägt und verändert haben - Thomas Mann würde sagen: „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit, sollte man ihn nicht unergründlich nennen?“, - das befördert unsere Gedanken, sendet Impulse und befreit auf kurz von den inneren, den persönlichen wie beruflichen und sonstigen Fesseln.

Natürlich wird mit dem schlichten Bremer Abendessen, mit dem herbeigeschafften Becks-Bier die notwendige Grundierung gesichert, um einerseits den Genuss für den erlesenen Bordeaux und die wohlduftenden Rauchwaren gefahrlos zu empfinden und zu bewältigen, andererseits um dem Dialog von Dr. Spengler und Dr. Osten über Napoleons furiosen Satz „Wenn China erwacht, wird die Welt erzittern“ dionysisch gewappnet gegenüberzustehen. Die gewünschte Offenheit und gesicherte Diskretion sollen zu Ihnen sprechen. Von den persönlich formulierten Beiträgen hier oder bei Tisch oder dann in der Collegiumsrunde findet man nichts Gedrucktes. Das kleine Heft, das Sie nach einem solchen Meeting zugesandt bekommen, hält allein das von den Rednern Gesagte und Freigegebene fest.

Es ist die nicht unterdrückte Erwartungshaltung einiger Bremer unter uns, dass in der Begrüßung eine Verbindung zwischen dem Ort des Collegiums und Bremens hergestellt wird. Leider lässt sich nicht belegen, dass einer der Bürgermeister, der der Hansestadt ihr unverwechselbares Gesicht gegeben hat – Koschnik, Scherf, Böhrnsen oder der gerade designierte Carsten Sieling – in Glücksburg zur Welt gekommen ist oder im Hochzeitszimmer des Schlosses seine Entscheidung fürs Leben kundgetan hätte. - Während die geistlichen Brückenschläge zwischen Bremen und diesem norddeutschen bzw. süddänischen Raum seit der Frühgeschichte durchaus zu Buche schlagen – denken Sie nur an den Corveyer Mönch Ansgar, der ab 826 an der Schlei, insonderheit in Haithabu, missionierte und später in Bremen Erzbischof wurde – ist neben einigen Handelsbeziehungen nichts Nennenswertes aufzuzeigen. Vielleicht, was ja zur Perspektive unseres fernöstlichen Blicks passt, darf man einen Bezug für die Zeit nach dem II. Weltkrieg vermelden. Ein beim Bremer Vulkan gebautes Schiff mit dem Namen >Glücksburg< hat diesen Namen in die Welt getragen. Seit 2003 durchfährt es die wärmeren Gewässer des Mittelmeers für die ägyptische Marine.

Nun aber kommen wir zur traditionellen Begrüßungsliturgie, die ich mit Prinz Alexander zu Schleswig-Holstein in der Hoffnung vorspreche, dass Sie alle mit einem Blick in die Augen Ihres Gegenübers die folgenden Worte im Wechsel auf Plattdeutsch nachsprechen. Bewaffnen Sie sich also mit jenem Zinnlöffel, den Sie beim Ankommen erhalten hatten, halten sie ihn waagerecht, was in unserem jetzigen Zustand problemlos zu leisten sein wird und prosten Sie einander mit vernehmlicher Stimme zu:

Hoheit, würden Sie in Ihrer wunderbaren Eigenschaft als Vertreter des Herzoghauses Glücksburg zu mir treten und mit mir die Begrüßung vornehmen:

Ick seh di (Ich sehe Dich)
Ick drink di to (Ich trinke Dir zu)
  Dat freut mi (Das freut mich)
Dat do (Das tu)
  - Prost! -  
Ick heb di tosapen
(Ich hab` Dir zugetrunken)
  Hest´n Rechten drapen
(Hast den Rechten getroffen)

Meine Herren, wenn Sie dies mit einer gewissen Hingabe absolviert haben, werden wir den Weg zum Schloss gehen, um in der ersten Etage - im Roten Saal - uns zum Bremer Abendbrot zu versammeln.