Jahresschluss-Collegium am 05. Dezember 2013 im
Alten Rathaus zu Bremen


 

Begrüßung – Senator E. h. Prof. Dr. h.c. mult. Klaus G. Saur

Im Namen des ‚Kleinen Gremiums‘ des Bremer Tabak-Collegiums darf ich Sie ganz herzlich und ganz dankbar begrüßen.

Ich danke Ihnen, und ich bewundere Sie, dass Sie es geschafft haben, trotz eines Orkans, der zumindest im Anzug ist, trotz aller Warnungen nach Bremen zu kommen und in dieses herrliche Rathaus zu kommen.

Vor wenigen Stunden rechneten wir eigentlich noch mit 50% Absagen. Wie Sie sehen und hören können, ist das nicht der Fall.

Merkwürdigerweise kamen fast ausschließlich Absagen aus Hamburg und aus Oldenburg.
Die Münchener Gäste sind eigentlich alle gekommen, trotz Stornierungen von Flugzeugen und vielem mehr.

Wir danken Ihnen und wir freuen uns sehr, dass Sie tatsächlich hier vollständig vorhanden sind.

Ich begrüße Herrn Bürgermeister Böhrnsen und ich danke ihm, dass es uns wieder einmal in der großzügigsten Art und Weise erlaubt hat, in diesen heiligen Hallen zu Tafeln und zu Rauchen und zu Sprechen.

Wir befinden uns in diesem wunderbaren Rathaus. Es ist ein Jubiläumsjahr. Dieses Rathaus ist 100 Jahre alt.

Ich bin glücklich darüber, darauf hinweisen zu dürfen, in aller Zurückhaltung, in aller Bescheidenheit, das Rathaus wurde gebaut von einem Münchener, von Gabriel von Seidel.
Gabriel von Seidel. Der erste ‚Grüne‘, der den Isartalverein gegründet hat und viel Gutes in München geleistet hat. Er baute das Bayrische Nationalmuseum, das Deutsche Museum und vieles mehr. Er empfand es als eine Meisterleistung, dieses Rathaus gebaut zu haben und er war schwer krank, als das Rathaus fertiggestellt war. Die Stadt Bremen schickte ihm einen Ehrenkranz und er antwortete: ‚Hoch lebe Bremen und der großartige und doch so feine Geist, der es belebt!‘

Und dann starb er!
Das war sein Vermächtnis.

Wenn wir noch ein bisschen weiter zurück gehen, so kamen aus Syrien zwei bedeutende Leute, Ärzte und Märtyrer, Cosmas und Damian.

Und ihre Reliquien landeten im Bremer Dom. Sie wurden eingemauert und vergessen.
1334 hat der große Fürsterzbischoff, Burchard Grelle, sie auf ‚wunderbare Weise‘ wieder aufgefunden und sie wieder ausstellen und zeigen können.

Aber irgendwann - man hat nicht genau gemerkt wie - sind sie wieder verschwunden und landeten in München in der St.-Michaels-Kirche.

Die Bremer haben gesagt, die Münchener haben sie uns gestohlen, also ist es gerecht, dass uns Gabriel von Seidl das Rathaus gebaut hat.

Aber es hat sich dann doch erwiesen - sie waren nicht gestohlen.

In Wirklichkeit war es so: Bremens lutherisches Domkapitel - kaufmännisch sehr gewieft - verkaufte den Schrein - allerdings ohne die beiden Köpfe - 1649 an den Osnabrücker Fürstbischof Franz-Wilhelm von Wartenberg, einem Wittelsbacher, der den Schrein seinem Verwandten, dem Kurfürsten Maximilian von Bayern, übergab. Er tat so, als wenn es ihm geschenkt hätte, aber er hat einige Ländereien dafür bekommen.

Kurfürst Maximilian überführte den Schrein in die St.-Michaels-Kirche, wo die Reliquien auch heute noch sind.

Aber die Köpfe, sie sind in Bremen geblieben.
Typisch: Köpfe und Bremen gehören zusammen!

Aus Bremen kommen beispielsweise drei der bedeutendsten Verleger und zwar Anton Kippenberg, der Inselverleger, Ernst Rowohlt und Georg Joachim Göschen, der Erfinder der größten wissenschaftlichen Taschenbuchserie der Welt.

Wir nehmen noch Oldenburg mit dazu: In Oldenburg wurde Peter Surkamp, der bedeutendste literarische Verleger, geboren.

Diese vier haben mehr gute Bücher verlegt und in die Welt gebracht, als jeder andere und sie kommen also alle aus Bremen. Das mit den Köpfen geht immer weiter.

Die deutsche Wirtschaft hat jetzt einen Präsidenten, einen neuen Mann: Ingo Kramer aus Bremen, so sagte man.

Und er hat sofort die Wortführerschaft für die Wirtschaft wortgewaltig übernommen und in Bayern hat sich bereits ein Fan-Club gebildet, der ihn schon als „Er is scho a Hund!“ bezeichnet hat.

Nun hat sich aber herausgestellt, er ist nicht aus Bremen, sondern aus Bremerhaven.
Deshalb muss nun dringend die längst fällige Zusammenlegung der Handelskammer zu Bremerhaven mit der alten ehrwürdigen Handelskammer zu Bremen vollzogen werden, damit alles dann im richtigen Rahmen ist und Bremen die Stimme der Wirtschaft verkörpert und deutlich macht.

Ich gratuliere Bremen und ich gratuliere Ingo Kramer.
Und ich darf nun den Bürgermeister bitten, mit mir den Trinkspruch hier zu machen.

Ick seh di (Ich sehe Dich)   Dat freut mi (Das freut mich)
Ick drink di to (Ich trinke Dir zu)   Dat do (Das tu)
  - Prost! -  
Ick heb di tosapen
(Ich hab` Dir zugetrunken)
  Hest´n Rechten drapen
(Hast den Rechten getroffen)

Meine Herren, ich darf Sie nun zu Tisch bitten!