Jahresschluss-Collegium am 04. Dezember 2014 im
Alten Rathaus zu Bremen


 

Begrüßung – Dr. Patrick Wendisch

Sehr geehrte Herren,

willkommen im Bremer Rathaus zum Tabak-Collegium. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir das Jahresschluss-Collegium, hier in unserem Rathaus der Freien Hansestadt Bremen, einem Weltkulturerbe, begehen – aber es ist schön!

Um etwas gleichwertig Schönes auch in einer alten Stadtrepublik zu finden, habe ich mich zur Vorbereitung auf dieses Tabak-Collegium nach Siena in die Toskana begeben. Siena war neben Florenz auch eine sehr reiche, stolze Stadtrepublik und Handelsstadt.
Es hat aber im Gegensatz zu Bremen diesen Status verloren – bereits im Jahre 1559. Es war durch die ewige Streiterei mit Florenz so sehr geschwächt, dass es seine Eigenständigkeit nicht weiter behaupten konnte. Florenz hatte dies aber auch nicht viel genützt, denn es ereilte diese Stadt das gleiche Schicksal. Was lernen wir daraus? Erstens: Man soll sich nicht mit seinem Nachbarn streiten und zweitens: Es ist eben Bremen in Europa überlassen, heute als die älteste Stadtrepublik unserer Zeit zu gelten.

Sie werden sich nun fragen, was Siena mit dem Bremer Tabak Collegium zu tun hat.
Nun, in Siena war der Tabak-Genuss im Mittelalter privilegiert. Es musste extra eine Lizenz zum Tabakrauchen erworben werden. Wer ohne Lizenz rauchte und erwischt wurde, der musste eine Woche mit einer Büßerkette um den Hals herumlaufen, die mit überdimensionierten Pfeifen bestückt war. Das war nicht nur peinlich, sondern auch sehr unhandlich. Diesen mittelalterliche Vorläufer des Rauchverbotes – eben ohne Lizenz – habe ich in Siena im Foltermuseum aufgeschnappt. Damals haben die mit Gesetzesbrechern noch ganz andere Sachen angestellt. Wenn es diese Folterstrafen noch gäbe, könnte man vollständig auf den Ankauf von Steuer CD’s verzichten.
Wir haben uns daher heute fest vorgenommen, Sie von derlei Ungemach freizuhalten, obwohl es ohne Mittelwächter aus dem Zinnlöffel und ohne der obligatorischen Tonpfeife wohl nicht gehen wird. Beides dürfen Sie am Ende auch mitnehmen. Sie müssen es nur nicht als Kette um den Hals tragen, denn die Lizenz zum Rauchen – James Bond lässt grüßen – haben Sie durch Ihre ehrenvolle Einladung zum Tabak-Collegium bereits erworben.

Dass wir in diesem Hause rauchen dürfen, verdanken wir der unermesslichen Großherzigkeit des Bremer Senats, der sich – wie wir – unseren alten Sitten und Gebräuchen traditionell verpflichtet fühlt. Stellvertretend für den Senat der Freien Hansestadt Bremen begrüße ich zu unserer großen Freude und als gern gesehenen Gast unseren Wirtschafts- und Justizsenator Martin Günthner.

Sie werden staunen, wie viele bedeutende Parallelen es zwischen Siena und unserer Hansestadt gibt.

Im Dom Santa Maria Assunta ist der Fußboden ein einzigartiges Kunstwerk aus Marmorintarsienarbeiten, die 56 Darstellungen aus dem Alten Testament zeigen. Der Fußboden ist nur an zwei Monaten im Jahre zum Schutz der Oberfläche geöffnet. Die Arbeiten wurden 1369 begonnen und dauerten 200 Jahre bis zur Fertigstellung. Dagegen sind die Bauwerke in Bremen mit ähnlichen kulturhistorischer Dimensionen ein Klacks. Die Ringautobahn A 281 wurde 1992 im ersten Teilabschnitt begonnen. Demnach hätten wir immer noch locker 178 Jahre Zeit bis zur Fertigstellung. Wo also – meine Herren – ist das Problem?
Wahrscheinlich werden wir die Autobahn dann aber auch, wie in Siena, zum Schutz der Oberfläche nur zwei Monate im Jahr den Unbillen des Straßenverkehrs preisgeben.

Ernst beiseite: Dafür haben wir unser herrliches Rathaus von 1405 bis 1410 in nur fünf Jahren erbaut und die Häfen und Containerkajen in Rekordzeit hochgezogen. Die Bremer können es also doch.

Macht und Größe haben von jeher auch nach baulichem Ausdruck verlangt und die stolze Hansestadt hat mindestens mit diesem wunderschönen Rathaus geliefert.

Das Tabak-Collegium steht ja in der Tradition der Preußenkönige, deren Tugend es war unter anderem als besonders sparsam zu gelten. Das sind wir in Bremen – da mögen Sie möglicherweise drüber lachen – auch. Der Schuldenbremse ist es zu verdanken, dass in öffentlichen Haushalten die Reduktion von neuen Verschuldensspielräumen bereits als Sparen definiert wird. Dann kann man also mit Fug und Recht behaupten, dass Bremen einer der sparsamsten Gliedstaaten der Bundesrepublik Deutschland ist.

Aber im Ernst: Ich kann Ihnen dies nicht ersparen. Die öffentliche Verschuldung dieses kleinen Bundeslandes ist im Wesentlichen durch eine völlig schiefe Finanzverteilung seit 1969 verursacht. Schätzungen gehen von einem Steuerverlust durch Pendler allein von 500 Millionen Euro jährlich aus, natürlich sind das zumeist diejenigen Steuerzahler, die die großen und soliden Tickets abführen.

Finanzwissenschaftlich gelten wir zugleich als reich, – meine Herren –, was wir der saldenmechanischen Theorie unseres heutigen Gästeredners Herrn Prof. Dr. Bert Rürup, den ich an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich begrüßen möchte, verdanken, die da lautet: „Jedem Schuldner steht in gleicher Höhe ein Gläubiger gegenüber.“ Insofern ist öffentliche Verschuldung gleichbedeutend mit privatem Reichtum und – meine Herren – diese Erkenntnis bedeutet, machen wir uns nichts vor, sprechen wir es aus, dann haben wir es leichter, sie befinden sich in einer sehr, sehr reichen Stadt.

Das war zwar nicht die eleganteste Überleitung zu unserem heutigen Ehrengast und auch nicht die einzige, aber es war die naheliegenste. Eine solche Verbindung zwanglos herzustellen ist üblicherweise nicht ganz einfach, aber für den geübten Begrüßungsredner doch ein Kinderspiel.

Eine weitere Verbindung Bremens zu Prof. Rürup ergibt sich locker aus dessen Geburtsort – Essen. Das ist bekanntlich die Heimatstadt des Fußballvereins Rot- Weiss Essen.

Bei Rot-Weiss Essen spielte damals nicht nur Ente Lippens, sondern auch Otto Rehhagel, der unseren heißgeliebten Fußballclub Werder Bremen bis zur Meisterschaft führte und hier als Trainer zu Höchstform auflief. Später wurde er sogar mit den Griechen – wer hätte das gedacht – Europameister.

Prof. Rürup lehrte an der Technischen Universität Darmstadt, in der er die Königsdisziplin der Nationalökonomen, die der Finanzwissenschaft, virtuos beherrschte. Der Urvater der modernen Nationalökonomie ist bekanntlich Adam Smith, der in Edinburgh in Schottland sein berühmtes Werk „Der Wohlstand der Nationen“ geschrieben hat.
Er meinte übrigens den Wohlstand aller Bürger einer Nation.

Wenn man sich jetzt also fragt, warum wir in Bremen ausgerechnet dieses bedeutende volkswirtschaftliche Thema, nämlich das Wohlstandgefälle zwischen Armen und Reichen thematisieren, dann ergibt sich das rein geographisch schon aus folgender Achse.
Wenn man jetzt nämlich eine gerade Linie von Griechenland, mit dem Otto Rehhagel Europameister wurde, über Darmstadt, der Wirkstätte von Herrn Prof. Rürup, bis nach Edinburgh zur Universität von Adam Smith, dem Urvater der modernen Nationalökonomie zieht, dann geht diese Achse genau durch Bremen, meine Herren, und zwar durch dieses Rathaus, indem wir alle heute in so freudiger Erwartung auf die Rede von Prof. Rürup stehen. Jetzt suchen Sie vor Ihrem geistigen Auge die Seite im Diercke Weltatlas. Damit ist die Latte für dessen Rede durch diesen schicksalhaften Zufall der Geographie natürlich recht hoch gelegt.

Rot-Weiss sind auch die Farben der bremischen Staatsflagge, von der man sagt, dass sie Pate standen für die US-Flagge Stars and Stripes. Nur die Sterne haben wir nicht, dafür sind wir in Bremen am Rand kleinkariert. Diese Farben gehen auf Carl Schurz zurück, ein Bremer, der als General in der Unabhängigkeitsarmee von George Washington diente und den Sieg über die britische Kolonialarmee errungen hatte. Die amerikanische Unabhängigkeit ist daher, das kann man mit Fug und Recht feststellen, einem Bremer zu verdanken.

Uncle Sam hat sich dann auch nicht lumpen lassen und hat sich nach dem Krieg aus Dankbarkeit Bremen und Bremerhaven als Enklave in der englischen Zone ausgesucht, ein Umstand, dem wir die Weitergeltung unserer bremischen Selbstständigkeit zu verdanken haben.

Das war damals nicht selbstverständlich, denn es gab genug Versuche aus Hannover Bremen innerhalb des neugeschaffenen Bundeslandes Niedersachsen als Stadt einzugemeinden. Eine Schlüsselstellung nahm damals die Stadt Wesermünde, das heutige Bremerhaven, ein.

Zwar wurde sie von der englischen Militärregierung verwaltet, doch die Häfen gehörten den Amerikanern. Der damalige Oberpräsident der Provinz Hannover versuchte natürlich daraus Kapital zu schlagen. Was er nicht bedachte, die Bezirksregierung in Stade war nicht gewillt, Wesermünde finanziell zu unterstützen. Sie empfahl, sich gefälligst an Bremen zu halten. Was wir Bremer dann bezahlen, wollen wir auch behalten. So gehörte Bremerhaven wieder zu Bremen.

Doch Bremen musste sich auch nach Westen arrangieren.

Oldenburgs Ministerpräsident Tantzen wollte auch nicht unter die Regierung von Hannover schlüpfen, weshalb er versuchte, sich mit Bremen zusammen zu tun. Er meinte allerdings eher eingemeinden. Unser berühmter Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen konnte ihm nur versichern, dass er keine Neigung hätte, mit den Oldenburgern gegen Hannover anzutreten. Dieses Mal ging es um Oldenburg selbst und die darauf folgenden Ereignisse bestätigten mit dem Beschluss der britischen Militärregierung eine Verordnung zur Konstituierung Niedersachsens, worin Oldenburg ein Teil von Niedersachsen wurde. Die Engländer stehen dem Haus Hannover eben doch irgendwie näher als Oldenburg.
Von Bremen war da Gott sei Dank nicht mehr die Rede und die Oldenburger standen fortan unter dem Kuratel der Hannoveraner, was dieses freiheitsliebende Volk gar nicht so witzig fand. Das haben die auch bis heute nicht vergessen. Dafür geben die Bremer und die Oldenburger sich heute gegenseitig Flankenschutz mit der gemeinsamen Metropolregion. Ich möchte sagen, es sind Freunde geworden. Bei so vielen Oldenburgern an diesem Abend wäre es – allein aus Selbstschutz – töricht, etwas anderes zu behaupten.

Nachdem ich somit geschichtlich nachweisen konnte, dass die amerikanische Unabhängigkeit den Bremern zu verdanken ist und die heutige bremische Unabhängigkeit den Amerikanern, können wir uns nun der Frage zuwenden: Ist das Bremer Rathaus der richtige Ort für epochale Wirtschafts- und Währungspolitik? Ich meine: Ja. Dieses wunderschöne Rathaus!
Der Dichter Rudolf Alexander Schröder nannte es „das Heiligtum bremischen Bürgerstolzes“. Hier weht mit Recht der Atem der Geschichte und zwar die Geschichte der europäischen Währungsunion.

Im Kaminzimmer, neben dem Festsaal, in dem wir gleich ein bescheidenes Bremer Abendbrot einnehmen werden, haben Valéry Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt 1978 beim europäischen Gipfel in Bremen die Verabredung einer gemeinsamen Währung getroffen, was später durch Helmut Kohl und Francois Mitterrand vollendet wurde.

Ich persönlich hatte das große Glück, bei einer kleinen Jubiläumsfeier im Kaminsaal des Bremer Rathauses 25 Jahre nach diesem denkwürdigen Treffen wiederum mit Giscard d’Estaing und Schmidt dabei zu sein.

Damals wie heute galt es, wohlbegründete volkswirtschaftliche Überlegungen anzustellen und die ewigen Reichsbedenkenträger, die insbesondere vor den Inflationsgefahren einer gemeinsamen Währung gewarnt hatten, in ihre Schranken zu weisen. Inflationsgefahr ist das geringste Problem, das durch den Euro bisher drohte. Das bestätigt auch die Forschung des Ökonomienobelpreisträgers Robert Mundell über Währungsunionen, der – Sie ahnen es schon – heute in Siena lebt.

Kommen Sie jedoch bitte nicht auf die Idee, die im gemeinsamen Euroraum gegebenen staatlichen Bürgschaften der EZB, zu der Deutschland als wirtschaftliches Schwergewicht maßgeblich beiträgt, auf Bremen zu schieben, weil hier ja schließlich der ganze Schlamassel eingefädelt wurde. Bremen ist zwar, wie ich wissenschaftlich fundiert nachgewiesen hatte, sehr reich, aber die Gewährträgerhaftung für den Euro können wir doch nicht ganz alleine übernehmen.

Noch dazu, wenn uns heute Abend Prof. Rürup möglicherweise in Aussicht stellt, dass wir zur Sicherung der volkswirtschaftlichen Stabilität des Kapitalismus auf unser Schönstes, nämlich das Geld, zu einem noch größeren Teil verzichten sollen.

Meine Herren, den Spruch: „Geben ist seeliger denn nehmen“ lassen wir als Christen gelten, völlig widerspruchslos vor allem beim Boxen, aber als wirtschaftspolitische Handlungsempfehlung an die Politik geht es dann doch ein bisschen zu weit.

Das ist harter Tobak, den man dann wirklich – meine Herren – nur mit ausreichend Schnaps ertragen kann. Womit ich beim Höhepunkt der Begrüßungsansprache wäre. Dem Löffeltrunk, den ich sodann das Vergnügen habe, mit meinem Senator zu zelebrieren. Dazu gebe ich Ihnen die von mir bekannten und schon traditionellen „Hinweise und Richtlinien zum Löffeltrunk“.
Sie müssen übrigens nach dem Löffeltrunk selbigen nicht abgeben. Ihr Überleben ist also vorerst gesichert.

Auch wollen wir Sie nicht über den Löffel barbieren.

Dieser Ausdruck stammte aus der Zeit, als es keinen Zahnersatz gab und die Barbiere die eingefallenen Wangenknochen mittels eines in die Mundhöhle geschobenen, umgedrehten Löffels, der nach den Anwendungen nicht gereinigt wurde, nach außen so ausbeulten, dass eine glatte Rasur der äußeren Wangen gelang. Aber auch die übertragene Bedeutung dieses Satzes liegt uns fern, denn schließlich sind Sie zu allem eingeladen.
Sie bekommen bei uns auch keinen „hinter die Löffel“. Die Wirkung dieses Satzes kennen Sie ja bestimmt noch aus Ihrer Jugend.

Wie Sie sehen, bietet so ein Löffel allerhand Anknüpfungspunkte für eine launige Begrüßung. Doch einer seiner besten Verwendungen ist, wie ich finde, ihn als Werkzeug zum Löffeltrunk zu verwenden, zu dem ich nun komme. Deshalb für alle hier die unerbittliche und finale Trinkanleitung.

Sie stehen also Ihrem Nachbarn, den Sie völlig wahllos aus Ihrer Umgebung auswählen, gegenüber.

Sie brauchen nicht viel über Ihren Nachbarn zu wissen, sollten allerdings spüren, dass er zu jenen gehört, die von der Hast und Betriebsamkeit unserer Zeit eher unberührt geblieben ist und mit Maß und Grenzen allen menschlichen Lebens vertraut die Dinge mit ruhiger Besonnenheit betrachtet.
Sofern Sie ein bremischer Gastgeber oder im Löffeltrunk-Trinkspruch bewandert sind, übernehmen Sie die Initiative und schauen Ihrem Gegenüber in die Augen, was ich dem Gegenüberstehenden seinem Gegenüber, also Ihnen, die ich zuerst angesprochen hatte, auch empfehle.
Sie dürfen dabei natürlich nichts verschütten, was leicht passiert, wenn Sie den bis an den Rand mit Schnaps gefüllten Löffel nicht waagerecht ausgerichtet halten.

Nunmehr, beide mit einem mit Schnaps befüllten und waagerecht ausgerichteten Löffel bewaffnet, eröffnen Sie frohen Mutes das Wort an Ihren besagten Gegenüber und sprechen mit sicherer, tragender Stimme:

„Ik seh Di.“
Darauf antwortet Ihr Gegenüber: „Dat freut mi.“
Daraufhin erwidern Sie: „Ik drink di to.“

Antwort – und bitte sprechen Sie sicher, tragend, ohne große Verzögerung oder womöglich Zittern in der Stimme, in der sich selbst Mut machenden Antwort: „Dat doo.“ An dieser Stelle darf man auch ein schnelles: „Prost“ einwerfen und sich mit Augenkontakt zunicken.

Der Augenkontakt beim Trinken ist ein uraltes und damals notwendiges Ritual. Weil man, wenn man trank, eine Hand nicht zum eigenen Schutz an der Waffe haben konnte, wurde durch den Augenkontakt darauf geachtet, dass beim Zutrinken beide Partner Ihre Hand am Glas und nicht an der Waffe hatten. Das Zuprosten war also so eine Art Lebensversicherung zur damaligen Zeit.

Hiernach wird der Löffel an Ihre eigene Unterlippe gesetzt und mit einem schnellen Abkippen des Nackens nach hinten ergießt sich, übrigens in dieser Haltung völlig kleckerfrei, der Löffelinhalt seiner Bestimmung – sofern Sie mittlerweile die Lippen auch leicht geöffnet haben. Wenn Sie stattdessen den Löffel, wie bei einer Suppe, in den Mund führen oder versuchen, diesen selbst mit senkrecht gehaltenem Kopf in den Mund zu kippen, wird es allein schon aufgrund der äußeren kreisrunden Kalottenform des Löffels schwierig, den vollständigen Inhalt seiner Bestimmung auf angenehme und schnelle Weise zu übergeben. Sie wollen ja schließlich auch nicht schlürfen.
Diese Prozedur, Sie werden es sehen, geht natürlich in der Praxis viel schneller, als ich das hier in extenso beschreibe. Sozusagen eine taylorisierte Zerlegung der Trinkarbeit in Einzelschritte.
Anschließend strahlen Sie Ihren Gegenüber im fröhlichen Bewusstsein des feinbrotigen Schnapsgeschmackes und der sich langsam wärmenden Speiseröhre, also ihren neugewonnenen „Trinkkumpanen“, könnte man fast jetzt schon sagen, an und sagen:

„Ik heff di tosapen.“ Er antwortet ebenso fröhlich wie Sie:

„Hest den Rechten drapen.“

Was übrigens nicht heißt „Sie haben den richtigen Tropfen“, sondern es heißt im übertragenen Sinne „Sie haben mich als einen ebenso netten und feinen Kerl richtigerweise zum Zuprosten ausgewählt“.

Wenn Sie diese kleine Kurzanleitung beachten mögen, werden Sie zu den perfektesten Löffeltrunkprostern zählen, die jemals an einem Bremer Tabak-Collegium teilgenommen haben. Auf geht’s!

Herr Senator treten Sie hinzu:

Ick seh di (Ich sehe Dich)   Dat freut mi (Das freut mich)
Ick drink di to (Ich trinke Dir zu)   Dat do (Das tu)
  - Prost! -  
Ick heb di tosapen
(Ich hab` Dir zugetrunken)
  Hest´n Rechten drapen
(Hast den Rechten getroffen)

Ich möchte Sie nun bitten, sich gemeinsam in den Festsaal zum Bremer Abendbrot zu begeben.