179. Zusammenkunft am 04. Juni 2015
im Schloss Glücksburg


 

2. Tischrede - S.H. Alexander Prinz zu Schleswig-Holstein

Meine Herren,

Sie beeindrucken mich!
Man muss hier nur etwas stehen und etwas warten und schon wird es leise. Ich hoffe, dass ich Ihre Anspannung, die dadurch ausgedrückt wird, nicht enttäuschen werde.

Ich fange mal an: wenn ich sage, meine Herren, dass ich niemanden persönlich begrüßen möchte. Das wären einfach zu viele.

Zweitens: ich betone meine Herren, und dabei fällt mir so ein kleiner Vergleich ein: hier sitzen ungefähr 140 Pinguine vor mir. Der Vergleich mit Herren im Frack wäre noch passender, weil die kleinen Stummelflügel da noch sichtbar werden – aber zumindest die Farbwahl hat wirklich etwas von Pinguinen. Vielleicht amüsiert es Sie. Wenn es Sie beleidigt, haben Sie nicht den richtigen Humor für mich. Das täte mir leid.

Und ich möchte noch einen kleinen Vorzug dazu sagen: Normalerweise müsste ich ja beginnen, wenn ich keine persönliche Anrede hätte, meine sehr verehrte Damen, meine Herren oder ähnlich. Das mit den Damen können wir uns hier sparen. Das ist Ihre Tradition und die hat viel Gutes für sich. Ich möchte jetzt nicht in die falsche Ecke gestellt werden.

Auf jeden Fall sind die Pinguine ja eine zeitlose Mode. Wir brauchen keinen Augenmerk zu richten auf ältere, vielleicht zu alte oder neuste Abendrobe, die hier präsentiert worden wäre, wenn wir in gemischter Gesellschaft wären.

Soviel dazu. Ich habe in England gelernt, man muss immer mit etwas Witzigem anfangen. Ich hoffe, das ist halbwegs gelungen.

Wenn ich richtig erinnere und ich bin ja auch nur ein gelegentlicher Gast dieser eleganten und anspruchsvollen Runde, haben wir in Schleswig-Holstein in den letzten 15 Jahren dreimal hier ein Treffen des Bremer Tabak-Collegiums gehabt.

Dies ist das dritte Mal.

Das erste Mal war bei Ihnen, Herr Professor Guratzsch, als Sie noch Hausherr waren in Schloss Gottorf. Und dann hatten wir noch eines vor 10 Jahren in der Marienschule in Mürwick.

Und nun freuen wir uns als Familie, die dieses Haus ein bisschen prägt, dass es auch mal hier sein darf.

Und ich freue mich, dass ich Herrn Lampe irgendwann vor 1 1/2 Jahren, als ich in Bremen die Ehre hatte ihn zu treffen, diesen Vorschlag machen konnte, und ich war überrascht, wie schnell er darauf eingegangen ist.

Der zweite Punkt auf meiner Agenda ist eine Pflichtübung, die ich gerne wahrnehmen oder auch nicht so gerne, das können Sie jetzt werten, wie Sie wollen:
ich soll Sie nämlich ganz herzlich grüßen von dem eigentlichen Hausherrn hier auf Schloss Glücksburg, meinem Bruder, Prinz Christoph zu Schleswig-Holstein. Der hat aufgrund einer Krankheit, die er seit sieben Jahren mit sich herumträgt, Leukämie, wo ihm etwas geholfen werden konnte, durch eine Stammzellenübertragung, da habe ich einen kleinen Anteil dran, sonst würde er wohl nicht mehr unter uns sein, aber es gibt so Tage und Wochen in denen es ihm nicht so gut geht, dass er sich hier hinstellen könnte. Deshalb hat er mich gebeten, das für ihn zu tun. Herzlichen Gruß von ihm.

Herr Guratzsch hat mich zumindest mit Namen vorgestellt. Das muss ich nicht wiederholen. Vielen Dank!. Ich komme gleich noch dazu zu sagen, was es mit dieser Art von Familien auf sich hat und welche Philosophie die Familien über Jahrhunderte geprägt hat und weitergehend auch heute noch tun.

Ich selbst bin jemand, der ganz bürgerlich seinem Broterwerb nachgeht. Das möchte ich zumindest hier kurz erwähnen. Ich arbeite freiberuflich – neudeutsches Wort – man möge mir das verzeihen, als Coach. Ich arbeite daran, Menschen und Gruppen von Menschen in Organisationen, systemisch nennt man das auch, zu helfen mit kleineren oder größeren Problemen zurecht zu kommen. Im wesentlichen in dem ich ihnen einen Spiegel vorhalte und hoffentlich die richtigen Fragen stelle, die dann zu der richtigen Einsicht führen.
Es soll nicht mehr sein. Es sollen Impulse sein, denn meine Weisheit kann nicht die der anderen sein aber manchmal als Echo hilft das.

Herr Guratzsch, Sie haben mir das schon weggenommen – Sie hatten das auch angekündigt, deshalb werde ich mich damit auch nicht groß beschäftigen:
Gott gebe Glück mit Frieden – seit 428 Jahren hat sich dieser Spruch oder dieser Anspruch im Großen und Ganzen sehr bewährt. Manchmal in Zeiten des Monetarismus wird dieser Spruch auch verkürzt, das will ich bekennen und dann spricht man nicht mehr so sehr von Frieden, sondern man spricht von dem, was man glaubt nicht zu haben. Dann heißt dieser Spruch in abgewandelter Form – mit etwas Selbstironie: Gott gebe Geld.

Sie mögen mir das verzeihen. Ich komme gleich noch dazu, warum das bei allem Humor und Selbstironie tatsächlich eine Rolle spielt.

Selbst wenn es zeitweise turbulent und unfriedlich von außen her zugingt, das Schloss hat sich eigentlich immer an diesen Spruch gehalten, so gut es ging.

Es war fast immer im Besitz der Familie. Besitz bitte im weiteren Sinne. Es gehörte den verschiedenen herzoglichen Linien. Ich erspare Ihnen jetzt einen historischen Abriss, denn dann würden wir um Mitternacht auseinander gehen. Still confused, but on a higher level.

Das Schloss war zwischendurch königlich-dänischer Besitz , dann war es königliche Residenz, herzogliche Residenz , es wurde wieder zurückgegeben an die herzogliche Familie. Das liegt an den Verzweigungen, die Professor Guratzsch schon angeschnitten hatten, zwischen dieser Familie und der dänisch-königlichen Familie, die, wenn sie erlosch, immer mal wieder durch Glücksburger Blut zu neuem Leben kam.

Das Schloss wurde auch kurzfristig mal als Kriegsbeute enteignet und wieder zurück gegeben. Es wurde dann zu einem Fideikommiss sehr bald umgeformt und dann aufgrund der äußeren Gesetzgebung zu einer Familienstiftung, was es heute noch ist.

Jeder von Ihnen weiß, Stiftungen kann man leicht gründen, wenn man ein ganz bisschen Kapital dafür bereit stellt, aber die Stiftung zurückzunehmen ist nicht möglich, es sei denn, sie erlischt.

Nutzungen: Neben der Residenz dieser Familien war es auch zwischenzeitlich Regierungssitz, Getreidespeicher, militärische Garnison, Lazarett in unfriedlichen Zeiten, und am Ende des 2. Weltkrieges war es Sitz der Deutschen Reichsregierung und zwar des Rüstungsministeriums.

Karl Dönitz – als Staatschef für 20 Tage – hat seine Rumpfregierung mit hierher genommen, und Albert Speer hat sich dieses Schloss als seinen vorübergehenden Regierungssitz ausgewählt.

Er ist dann auch hier von den englischen Besatzungsmächten verhaftet worden, nachdem er verhört worden war hinsichtlich der deutschen Atomrüstung.

Ich habe als Jugendlicher eine Etage höher erlebt, wie seine damaligen Verhörer aus den USA sich darüber unterhalten haben, als Speer aus der Spandauer Haft entlassen wurde, wie das damals war, und was die Intentionen der jeweiligen Seite waren. Sehr spannend.

Das Schloss war nach dem Krieg improvisierter Wohnsitz für viele Flüchtlinge, Verwandte und Nicht-Verwandte der Familie. Das war übrigens auch im gesamten landwirtschaftlichen Besitz meiner Familie im Wesentlichen in Schwansen, der Schlei und der Ostsee der Fall.

Es gab kein Haus, in dem nicht mehrere Familien wohnten. Meine Großeltern haben sich in ihrem Landsitz in Grünholz auf den Dachboden verzogen und das Haus für Flüchtlinge aus der Verwandtschaft von wo auch immer her, geräumt.

Letzte Bemerkung zum Haus in der Nutzung: Es ist seit Beginn der 20er Jahre in immer steigenden Umfang Museum. Das ist auch das, was die Hauptfunktion heutiger Tage ist.

Ich lese Ihnen ganz kurz vor aus dem wie immer berühmten und richtungsweisenden § 2 der Satzung:
§ 2
„Zweck der Stiftung ist die Förderung von Kunst und Kultur sowie des Denkmalschutzes. Der Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch das Bestreben, Schloss Glücksburg und das zum Stiftungsvermögen gehörende Inventar dem hohen kulturellen und geschichtlichen Rang entsprechend zu erhalten, zu nutzen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen...“

Dabei ist die besondere Herausforderung die Erhaltung aus der eigenen Substanz heraus. Ausgangspunkt der schwierigen wirtschaftlichen Situation war eine vorübergehende Enteignung als Folge des Krieges 1863/1864 durch die Siegermacht Preußen.

Anmerkung: Christian IX, der jüngere Bruder des damaligen Schlossherrn, Prinz Karl zu Schleswig-Holstein, war dänischer König geworden und hatte unter politischen Druck und Zwang die dänische Verfassung unterschrieben, die den Krieg ausgelöst hat. Ich hoffe, dass Sie so gebildet sind, dass ich das jetzt nicht weiter ausführen muss.

Das Schloss wurde bald nach dem Krieg, das ist vielleicht auch wieder eine verwandtschaftliche Regelung zwischen diesen Familien gewesen, der König Wilhelm von Preußen hat sich das hier angeschaut, der spätere Kaiser Wilhelm I, und hat gesagt, es ist alles in Ordnung, nimm das mal wieder zurück in Besitz.

Das Problem war allerdings, dass ein Teil der Ländereien, die das Schloss wirtschaftlich tragen, dabei verloren gegangen sind. Das Land Preußen hat eine entsprechende Verpflichtung zum Unterhalt des Hauses mit übernommen. Nicht eine alleinige, aber eine Mitverpflichtung.

Das Land Preußen ist bekanntlich untergegangen in Folge des 2. Weltkrieges. Der Rechtsnachfolger ist das Land Schleswig-Holstein. Mit dem Land Schleswig- Holstein gibt es um dieses Thema, den Umfang der Mitunterhaltsverpflichtung, einen kleinen Disput, der schon seit einigen Jahrzehnten andauert.

Ich will, um auch auf die Zeit zu achten, knapp sein und sage Ihnen ein paar Größen, um die wirtschaftlichen Dimensionen dieses Hauses nachvollziehen zu können:

Scheinbar willkürlich herausgegriffene Zahlen, die möglichst plakativ sein sollen:

Gesamtfläche inklusive des Parks (einen großen Teil davon haben Sie durchschritten) sind 24 ha.

Die Quadratmeter-Fläche, die man hier belaufen kann im Schloss, 3.000 qm.

Der Eigenheimbesitzer kann sagen, das ist 10 mal mein Haus, oder 20 mal mein Haus, wie immer Sie das auf sich selbst reflektieren. Vielleicht gibt auch einige unter Ihnen die sagen, es ist ein bisschen bescheidener als mein Haus.

Alle Dachflächen zusammen haben 4.667 qm, knapp die Hälfte davon bedecken das Schloss selbst.

Besucherzahl im Museum jährlich im Durchschnitt: 50.000 zahlende Besucher.

Zusätzliche Veranstaltungsbesucher: 10.000 p.a. davon 250 Hochzeiten im Jahr, man kann hier standesamtlich heiraten, man kann hier kirchlich heiraten, man kann hier tanzend heiraten oder auch alles zusammen.

Die letzte wirtschaftliche Zahl, die ich Ihnen nennen möchte: die aktuelle zusätzliche Belastung – Entschuldigung, dass ich dieser Versuchung nicht wiederstehen kann – durch das Mindestlohngesetzt in Schleswig-Holstein, der Mindestlohn in Schleswig-Holstein beträgt EUR 9,31, bewirkt eine 30%ige Lohnsteigerung unter den 40 Mitarbeitern dieses Schlosses. Sozialpolitik!

Schwerpunkte kultureller Arbeit sind im Wesentlichen Kinderprogramme. Das haben wir ganz groß in den letzten Jahren aufgelegt. Ich habe gestern auf einer anderen Veranstaltung durch Zufall eine Mutter getroffen, die ganz begeistert war und die gesagt hat, ihre Kinder waren zum zweiten Mal hier und waren begeistert von dem, was hier an Kinderunterhaltung und Erlebnispädagogik sichtbar und fühlbar wird. Das war ein sehr schönes Kompliment, und es wird in diese Richtung weitergehen. Ziel ist Bildung, spielerische Unterhaltung. Es geht um die Heranführung an Kultur, Geschichte , Ästhetik, etc..

Führungen durch das Schloss werden regelmäßig – nach Anfrage – in verschiedenen Sprachen durchgeführt. Die Hauptsprachen sind neben Deutsch Dänisch und Englisch. Dafür haben wir auch ständig Mitarbeiter, die das beherrschen und dann auch frei und ohne vom Zettel abzulesen vortragen und Fragen beantworten können.

Wir haben hier auch eine ganze Menge Tagungen und Kongresse, aktuell hierzu im Juni zwei Staatsempfänge der Landesregierung indirekt zumindest: einmal den Tag der Denkmalpflege (Schleswig-Holstein ist alle 16 Jahre Veranstalter) und eine Tagung des deutschen Forstvereins. Jedes Mal fast 300 Teilnehmer. Das ist für die Öffentlichkeitsarbeit nicht schlecht einschließlich Minister-Präsenz.

Natürlich und das ist eine Tradition, die nach dem Krieg mit relativer Regelmäßigkeit aufgenommen wurde: Konzerte im Roten Saal und mehr noch im Weißen Saal und unten in der Kapelle zu deren Besuch ich Sie beim hinausgehen gerne noch einladen möchte, um auch einen Eindruck davon zu haben. Hier im Schloss gibt es eine Kapelle, wie ein paar zusammengelegte Zimmer, teilweise unter Wasser.

Was macht die Symbiose aus Schloss und Familie gestern und heute aus?

Das Prinzip ist, dass einer, das ist nicht nur in Sizilien so, Chef des Clans wird. Er übernimmt die Lust und Last der Verantwortung.

Der gesamte Rest sind, das entnehme ich jetzt aus dem Prinzip der Höfeordnung, in Norddeutschland weit verbreitet, das sind die „weichenden Erben“. Die werden irgendwie relativ bescheiden abgefunden und hüpfen dann vom Nestrand.

Ich bin ein solcher weichender bzw. gewichener Erbe. Die Erziehung scheint aber insgesamt zu wirken. Vielleicht ist es auch ein genetischer Webfehler, ich kann es nicht endgültig beantworten, in der Familie ist nämlich die Übernahme ehrenamtlicher Verantwortung verbreitet.

Dafür sind neben Glücksburg Bespielen:
Nach dem Krieg gab es einen großen Bedarf an moderner Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Betriebe, wesentlich geprägt durch meinen Großvater; damals wurde ein Beratungsring der schleswig-holsteinische Gutsbetriebe gegründet, der heute noch wunderbar funktioniert und zu einer erheblichen Ertrags- und Effizienzsteigerung geführt hat – ehrenamtlich wohlgemerkt. Nicht gewerblich oder kommerziell.

Meine Mutter hat sich sehr – über Jahrzehnte – um das Rote Kreuz des Landes und auch den Bundes verdient gemacht.

Und vielleicht die bekannteste ehrenamtliche Tätigkeit, die mit diesem genetischen Webfehler zu tun hat und historisch aus der Flüchtlingssituation nach dem Krieg entstanden ist, ist die Gründung der Stiftung Louisenlund, ein an der Schlei gelegenes Gymnasium mit Internat, die meisten werden zumindest einmal davon gehört haben, vielleicht auch die Erziehung dort genossen haben oder erwägen, Ihre Kinder oder Enkelkinder dorthin zu geben.

Darum kümmern sich heute hauptsächlich meine Schwester und ich in Verantwortung in dritter Generation. Und es wird mit Sicherheit in der nächsten Generation, mit welchem Namen auch immer weitergehen, nicht zwingend mit dem Clan- Chef.

Also, der Familiengrundsatz Übernahme von Verantwortung und ggf. auch vom Teilen.

Man könnte auch als Meta-Prinzip der Familie herausdestillieren: die freiwillige Übernahme von sozialer Verantwortung, um Sinnvolles und Bewährtes zu bewahren und in die jeweiligen Zeit-Anforderungen hinein weiterzuentwickeln.

Die ebengenannte Schwäche für das Ehrenamt gilt übrigens in gleicher Weise für die weichenden Erben, ich habe das an Beispielen schon gesagt.

Ich möchte vielleicht noch, wenn wir hier im Schloss Glücksburg sind, zwei Personen mit benennen, das ist mein Onkel Friedrich Ferdinand, der hier nach dem Krieg als Flüchtling aus dem Osten landete und hängengeblieben ist und sich sehr um die Entwicklung und Verwaltung des Schlosses bemüht hat und sich vor Ort gekümmert hat. Und meine Cousine, Prinzessin zu Ysenburg, die heute nicht hier sein kann, weil sie wegen seines Trauerfalls gar nicht in Glücksburg sein kann, macht das heute weiter und kümmert sich vor Ort sehr intensiv um die kulturelle Entwicklung.

Ich kann Ihnen aus eigener Anschauung versichern: Langeweile bleibt so eher unbekannt. Aber auch eine mögliche Verführung aus gesellschaftlich herausgehobenen Status, wenn man das denn so empfinden will, wirkt nicht allzu heftig.

Das Klischee für eleganten Müßiggang dürfen gerne andere bedienen.

Wenn jemand die champagnerspritzende High-Society als gesellschaftliches Rollenmodell sucht und verbreiten möchte, wird er sie hoffentlich eher woanders finden und entsprechende willfährige Protagonisten. Hier nicht.

Ich möchte jetzt den Bogen wieder schließen:
Die Bremer Tradition mit schlichtem AbendBROT passt da schon sehr gut zu uns und ich verweise auch gerne auf die hanseatische Tradition des „Mehr Sein als Schein“.

Unter uns hätte sich heute unser ehemaliger Ministerpräsident Peter Harry Carstensen befunden. ich hätte ihm gerne eine Geschichte erzählt, die ich Ihnen trotzdem erzählen möchte, die auch mit diesem familiären Verständnis für kulturelle Entwicklung zu tun hat.
Es gibt ein Dorf an der Schlei, das zu einem unseren Betriebe gehört, und früher die Mitarbeiterhäuser, man sagte damals ohne sozial schlechtes Gewissen, die Arbeiterhäuser, ausmachte.

Die Häuser sind alle sehr schön reetgedeckt, haben Fachwerk und sind weiß gekalkt und sehen recht einheitlich aus. Irgendwann kam – zu einer Zeit als Heide Simonis Ministerpräsidentin war – die Landesregierung auf die glorreiche Idee, dass sie sich damit schmücken könnte, das dieses Dorf so gut erhalten ist und alle diese Landarbeiterhäuser langfristig vermietet sind und dadurch erhalten werden.

Die Landesregierung kam auf die Idee zu sagen: Das ist toll, das haben wir in Schleswig-Holstein hingekriegt und deshalb, liebe Familie zu Schleswig-Holstein, stellen wir das mal schön unter Ensemble-Schutz.

Das habe ich Herrn Carstens irgendwann erzählt, boshaft, wie ich manchmal sein kann, und dachte, jetzt kann er mit seiner Vorgänger-Landesregierung ein bisschen ins Gericht ziehen, und er hat sich dann auch darüber ereifert. Das schlimmste Wort, was ich noch zitieren mag war: frech.

Die Pointe ist: an der Situation hat sich während seiner Regierungszeit und auch unter der darauf folgenden SPD-Regierung natürlich nichts geändert.

Warum passt Glücksburg eigentlich gut zum heutigen Thema des Bremer Tabak- Collegiums?

1. Das Bremer Tabak-Collegium sucht immer wieder interessante Orte für seine Treffen. ich behaupte, das ist Match Nummer eins. Zumindest haben die Ausführungen, die Sie bekommen haben, das, was Sie an Wissen mitgebracht haben und vielleicht nachher noch mitnehmen, schon signalisiert, dass dieses Haus auch ein interessanter Ort ist.

2. Das Tabak-Collegium sucht immer wieder interessante, aktuelle Themen, heute China, auf das wir uns nachher sehr freuen werden.

Glücksburg muss ich auch immer wieder an der jeweiligen Zeit messen und daraus das Beste machen. Nur – das habe ich angedeutet – Museum sein und auf zahlende Gäste hoffen würde nicht reichen.

„Events“, wie das heutige, sind tragender Bestandteil geworden, auch Gastronomie, Trauungen, etc.. Alles geht, was nicht gegen gute Sitten verstößt und zum spiritus locii passt. Das, würde ich sagen ist Match Nummer. 2.

Nr. 3 ist schon schwieriger. Der China-Bezug: Ja, darüber habe ich etwas zu überlegen gehabt und mir ist dann etwas eingefallen: Die Geschichte jedenfalls weist keinen eindeutigen Bezug zwischen Glücksburg und China auf. Das hat mir Herr Professor Guratzsch auch bestätigt.

Aber man kann sich ja auch mal einen fremden Mantel oder sollte ich besser sagen Kimono anziehen und abwarten, wie der so passt.
Vor ein paar Jahren hatte die Freie und Hansestadt Hamburg, in der ich lebe, ein China-Jahr veranstaltet und zwar nach dem chinesischen Kalender im Jahr des Drachens.

Die Kupferhütte damals (heute heißt sie ARUBIS AG) stellte aus Kupfer reinen riesigen, beweglichen Drachen her, der dann monatelang mit stolzer Geste über dem Wasser der Binnenalster thronte....

Am Ende sollte der Drache dann natürlich wieder abgebaut werden. Meine Idee war damals, diesem Drachen auf einem unsichtbaren Fundament da draußen im Glücksburger Schlossteich eine neue Heimat zu geben. Sie scheiterte, wie so oft unter anderem zumindest, am lieben Gelde.

Aber – Inspiration ist alles – stellen wir uns heute den Drachen einfach aus dem Schlossteich heraussteigend vor. Wenn die Schotten das mit Loch Ness können, können wir das schon lange in unseren nordischen, hellen Nächten. Ich bitte zu beachten: wir haben jetzt 20 nach 9 – es ist noch taghell!

Warum sollen wir nicht diese Inspiration haben?

Dann hätten wir den Bezug zu China und seiner Kultur – damals wie heute – unmittelbar hergestellt.

Das ist mein etwas künstlich angelegtes Match Nummer 3!

In diesem Sinne möchte Ihnen allen und uns allen eine in jeder Hinsicht lichtreiche Nacht wünschen, die uns mit neuen Erkenntnissen und innerer Erleuchtung (man kann auch sagen Inspiration) zu gegebener Zeit nach Hause ziehen lässt.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!